
Traumasensibles Yoga: Den Körper heilen, die Seele befreien
Trauma, fühlt sich oft an, als wolltest du das Seiltanzen ausprobieren und plötzlich stellst du fest, dass du kein Sicherheitsnetz hast.
Ich bin Rosi, traumasensible Yogalehrerin und Ergotherapeutin. Die menschliche Psyche interessiert mich schon so lange ich denken kann. Dieser Kurs ersetzt keine Traumatherapie, kann dir jedoch helfen dich besser kennenzulernen, dir freundlicher zu begegnen und herauszufinden, was deine ganz individuellen Heilungswerkzeuge sind. Dabei beziehe ich Kenntnisse über das Nervensystem mit ein und freue mich über deine Rückmeldung. Diese ist so wichtig, um stets diesen Kurs zu aktualisieren. Ich ermutige dich Fragen zu stellen. Jede Frage ist berechtigt und wertvoll.
Die besten Lernerfolge sind möglich, wenn du dich spielerisch und mit einer interessierten Neugier erforscht.
Bessel van der Kolk, Experte auf dem Gebiet der Traumaforschung, betont, in seinem Buch “verkörperter Schrecken” , dass das Trauma im Körper sitzt. Daher reicht ein rein mentaler Ansatz normalerweise nicht.
Hast du dich schon mal gefragt, warum du trotzdem du so viel weisst über Trauma und so wenig Veränderung spürst? Vielleicht steckt ein Teil deines Körpers fest in alten Erfahrungen.
Trauma-Yoga trägt dazu bei, dich zurückzuholen in die Ganzheit. Es bietet dir eine Spielwiese an für dein sensibles Nervensystemen. Du kannst wieder in Kontakt mit dir und deinem Körper kommen und so abgespaltene, eingefrorene Teile zurückholen. Fehlt ein Teil von dir oder lehnst du diesen sogar ab, fühlst du dich möglicherweise stets im Mangel.
Ich muss dich enttäuschen: Es gibt leider nicht die eine Asana für alle, die dein Trauma löst. Dies ist viel mehr eine Abenteuerreise, Trigger können auftauchen, doch indem du diese kennenlernst kannst du lernen schon vor dem Ausbruch des Vulkans dich in Sicherheit zu bringen.
Wie hilft Yoga dir dabei?
Ich erfahre oft in Yogaklassen, dass Menschen plötzlich Körpersensationen entdecken, die ihnen völlig fremd waren. Zum Beispiel, dass ein Bein nach einer Dehnung länger erscheint, als das andere. So als wäre es gewachsen. Erfahrungen von Bodenhaftung, ungeahnter Weitevvv, Belastungen standhalten, Präsent bleiben im “Hier und Jetzt” trotz herausfordernder Situationen, das sind Erfolge, die ich selbst gemacht habe auf meiner Reise als Yogapraktizierende.
Traumasensibles Yoga ist abgestimmt auf die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Trauma. Dabei gibt es nicht die eine Yoga Serie, die all deine Schwierigkeiten löst oder die eine magische Yogaübung. Traumasensibles Yoga beinhaltet sanfte Bewegungen, achtsame Atemtechniken und speziell auf das Nervensystem ausgerichtete Übungen.
Hier die wichtigsten Schlüsselpunkte des traumasensiblen Yogas:
Vertrauen und Sicherheit aufbauen:
Ein Sicherheitsnetz zu schaffen geschieht auf deiner Matte dadurch, dass du dir deinen Platz einrichtest. Und zwar so bequem, wie möglich, mit Kissen, Decken oder Stuhl. Schon das ist der erste Schritt der Selbstfürsorge. Dazu gehören Übungen zur Orientierung im Außen, z.B. durch bewusstes Hin- und Herschauen. Und Orientierung im Inneren, in dem du dir deines Atems gewahr wirst. Auch Bedenken, Trigger und Fragen vor der ersten Stunde in einem ersten Vorgespräch mit deiner Yogalehrerin/deinem Yogalehrer zu klären schafft Vertrauen. Ausserhalb der Matte bedeutet dies immer wieder einzuchecken mit dir: Wie geht es dir gerade in deinem Körperinneren, mit deinen Gedanken und Emotionen? Und kannst du deine Kraftquellen gleichzeitig spüren? Welche sind dies bei dir? Mutter Erde unter deinen Füßen, die dich unterstützt, dein Atem, der dich durch schwierige Situationen trägt?
Hier und Jetzt
Traumatische Erfahrungen können dazu führen, dass Menschen in der Vergangenheit feststecken. Sie werden immer wieder in die Vergangenheit gezogen und haben Schwierigkeiten, im gegenwärtigen Moment präsent zu sein. Im TSY wirst du immer wieder eingeladen, im "Hier und Jetzt” wahrzunehmen, was im Körper, in deinen Gedanken und emotional geschieht. Dossiert und achtsam kannst du die Erfahrung machen, dass es aushaltbar ist, in diesem Augenblick präsent zu bleiben. Das ist Lebendigkeit, dir Halt zu geben, obwohl es intensiv ist.
In der Boothaltung zum Beispiel aktivierst du all deine Bauchmuskeln, deine Mitte ist ganz zentriert. Welche Muskeln spürst du in dieser Haltung? Kannst du gleichzeitig die für die Position erforderlichen Muskeln anspannen und die Stirn, das Gesicht entspannen? Wie kann der Atem dich unterstützen? Und wo ist deine Grenze?
Inneren Körper spüren (Interozeption)
Interozeption bedeutet deine innere Landschaft zu erkunden, Körperempfindungen bewusst wahrzunehmen, ohne von ihnen überwältigt zu werden. Für Menschen mit Traumaerfahrungen kann es ein sehr mutiger Schritt sein, ihrem Körper bewusst zu begegnen, da in diesem viel Schrecken gespeichert ist. Für manche ist der Körper regelrecht zum Feind geworden, schließlich hat er sie in größter Not nicht in Sicherheit gebracht. Andererseits ist Körperempfindung die Basis, um dich lebendig zu fühlen. Dein Körper hat das getan, was zu deinem Schutz erforderlich war und ich wünsche mir sehr für dich, dass du in diesem Kurs den Körper wieder als “sicheres Gefäß” erlebst und noch mehr als Quelle der Freude und Passion.
Durch Interozeption kannst du, deine eigenen Bedürfnisse spüren und hilfreiche Entscheidungen treffen. Interozeption ist dein inneres Navi, dein Kompass.
Wo spürst du das Gewicht deines Körpers im Kontakt mit dem Außen, dem Stuhl, dem Boden? Eckhardt Tolle ein weltweit bekannter spiritueller Lehrer betont immer wieder die Wichtigkeit den innere Körper zu spüren. Dadurch entgehst du dem Traumasog und bleibst im hier und jetzt.
Wahlmöglichkeiten:
Trauma wurde erlebt als Hilflosigkeit, verbunden mit dem Gefühl keine Wahl zu haben.
Daher ist das Angebot von Wahlmöglichkeiten in einer traumasensiblen Yogastunde ist von großer Bedeutung. Das Ziel dabei ist es, ein Gefühl von Kontrolle und Autonomie wiederherzustellen und Vertrauen in sich selbst zu gewinnen.
Ein Beispiel: Du hast die Wahl, in den herabschauenden Hund oder in den Vierfüßlerstand zu kommen. In allen Klassen biete ich stets Alternativen an und dadurch wird auch die Angst vor falschen Entscheidungen gelindert. Du darfst dich ausprobieren. Und zwar nicht so sehr kognitiv, sondern vor allem lade ich dich ein deine Körperweisheit zu erspüren.
Ich ermutige dich auf die eigenen Bedürfnisse zu achten, das Steuerrad über deinen Körper zurückzugewinnen und deine eigene Heilungsreise zu gestalten. Dies fördert ein Gefühl von Sicherheit, Autonomie und Selbstwirksamkeit, was für traumatisierte Menschen von großer Bedeutung ist.
Traumasensibles Yoga bietet einen ganzheitlichen Ansatz, um traumatisierten Menschen dabei zu helfen, im Hier und Jetzt zu bleiben. Indem sie eine bewusste Verbindung zu ihrem Körper herstellen, ihre Emotionen regulieren und ihre körperlichen Spannungen lösen, können sie die Vergangenheit hinter sich lassen und ein erfülltes Leben im gegenwärtigen Moment führen.
Erläuterungen zur Yogapraxis:
In dieser Stunde geht es nicht darum, etwas „richtig“ zu machen.
Es geht darum, dich selbst wieder ein kleines Stück zu spüren – ganz in deinem Tempo.
Vielleicht ist da am Anfang gar nicht so viel zu fühlen. Das ist okay. Du musst nichts erzwingen.
1. Wir starten mit dem glücklichen Käfer:
Du liegst auf dem Rücken und schüttelst sanft Arme und Beine.
Vielleicht fühlt es sich ungewohnt an, vielleicht ein bisschen albern – und vielleicht merkst du auch: Da löst sich etwas. Ein bisschen Anspannung, ein bisschen Druck.
Immer wieder machen wir kleine Pausen.
Du hältst kurz inne und spürst nach: „Wie ist es gerade in mir?“
Ohne etwas verändern zu müssen.
2. Reiben der Hände und Füße aneinander:
Es wird warm, vielleicht kribbelt es.
Und für einen Moment kannst du ganz einfach merken: „Ich bin hier. Ich spüre mich.“
3. Muskeln anspannen und loslassen.
Erst festhalten, dann lösen.
Vielleicht spürst du den Unterschied – nach einer Anspannung, kann der Körper besser loslassen.
Wir pendeln im Leben stets hin und her zwischen Anspannung und Entspannung. Je flexibler du mit der Zeit wirst, umso leichter kannst du mit dem Fluß des Lebens schwimmen.
4. Zum Schluss legst du die Hände auf deine Schultern und klopfst dich sanft.
Vielleicht fühlt es sich an wie eine kleine Umarmung.
Ein stilles Zeichen an dich selbst: „Ich bin da.“
Traumasensibel bedeutet hier:
Du darfst jederzeit langsamer werden oder pausieren. (Sicherheit).
Du entscheidest, was sich gut anfühlt. (Körperwahrnehmung = Interozeption)
Nichts muss – alles darf. (Du hast eine Wahl.)
Hier erhältst du Informationen zu den drei Zuständen des Nervensystems nach Steven Porges. Diese mithilfe der Arbeitsblätter zu identifizieren hilft dir wieder in deine Mitte zu kommen, wenn du deine innere Balance verlierst. Dies ist eine der wichtigsten Aufgaben. Um in Balance zu kommen helfen dir sowohl körperliche Aktivitäten, die Art und Weise, wie du Situtationen annimmst oder akzeptierst, sowie eine liebevolle Haltung gegenüber dir selbst. Bei Fragen, wende dich gerne an mich.
?♀️ Mini-Moves für sensible Seelen
„Es sind nicht die großen Sprünge, die uns befreien, sondern die kleinen Schritte, die wir uns zutrauen.“
? Warum dieses Blatt?
Manchmal fühlt sich alles zu viel an.
Der Körper wie eingefroren, der Kopf dreht sich, die Seele ist im Keller.
Komplextrauma kann uns in der Starre festhalten.
Dieses Blatt ist dein sanfter, liebevoller Wegweiser.
Kein "Lauf einen Marathon!" – eher:
? "Hey, komm wähle eine Übung und erforsche, ob sie dir gut tut und du dich einlassen kannst."
☀️ Deine Kraftrituale
Kleine Rituale jeden Tag, bringen eine große Veränderung in einem Jahr.
1. Dein Kraftatem (2 Minuten)
Was du brauchst: Dich. Eventuell einen Tee.
Wie es geht:
Setz dich im Bett oder auf einen Stuhl.
Lege eine Hand auf dein Herz, die andere auf den Bauch.
Atme 3x langsam ein und aus.
Spüre: Ich bin da.
Satz des Tages: „Ich darf klein anfangen. Heute zählt.“
2. Stark wie ein Berg – 1-Minuten-Standübung
Was du brauchst: Deine Füße.
Wie es geht:
Stell dich auf den Boden oder noch besser auf eine Wiese in der Natur, gerne barfuß.
Spür: Zehen, Ferse, Gewicht.
Sag innerlich: Ich stehe. Ich lebe. Ich kann wählen. Ich bin standfest. Ich bin fest verbunden mit Mutter Erde. Wähle Sätze die dich ermutigen.
Notfall-Tipp:
Super beim Zähneputzen oder wenn du auf den Bus wartest.
3. Der Mini-Mut-Moment – Eine kleine Entscheidung pro Tag
Was du brauchst: Eine Mini-Tat.
Wie es geht:
Wähle eine kleine Sache, z. B.:
Fenster öffnen
Einen Apfel essen
Jemandem ein Emoji schicken
Danach: Hände aufs Herz – „Ich hab was getan. Ich bin nicht ohnmächtig.“
Superkraft: Handlung = Heilung
✍️ Reflexions-Check-In
Was habe ich heute anders gemacht als gestern, auch wenn es winzig war?
? Wie hat es sich angefühlt, etwas zu tun – egal wie klein?
? Was möchte ich mir dafür sagen? (Tipp: Sei nett. Du bist nicht beim Marathon oder einem Wettbewerb)
Leg dir gerne ein Heft an und notiere dir 3 Erfolge täglich. Das sind kleine Dinge, die du dir vorgenommen hast und erfüllt hast. Was meinst du wieviel du in einem Monat erreichen kannst?
? Motivations-Mantra zum Mitnehmen
„Ich bin kein Problem, sondern ich habe Probleme, die ich lösen darf.”
Ich bin ein Mensch auf dem Weg. Und jeder Schritt zählt.“
Ich bin ich und ich bin ein Geschenk.
Vielleicht passt für dich ein anderes Mantra , das du jeden Tag von Herzen sagst oder singst und vor allem zu fühlen versuchst
Ein Kurs im traumasensiblen Yoga, der sanfte Bewegung, wirksame Vagusnervübungen und kurze Yogasequenzen beinhaltet.
Alle Übungen kannst du ganz auf deine persönlichen Bedürfnisse anpassen, denn es gibt nicht eine Lösung für alle, viel mehr möchte ich dich ermutigen deinen ganz eigenen Weg zu finden. Durch stetige Übung kannst du so dein Nervensystem immer besser regulieren. Hier erhältst du Werkzeuge und Handlungsvorschläge, die dir zu mehr Gelassenheit verhelfen. Alles was du brauchst ist der aufrichtige Wunsch zu genesen. Es gibt nicht die eine Übung ,die bei Trauma hilft, es ist vielmehr eine Forschungsreise in der du die Beziehung zu dir verbesserst und Selbstliebe entwickelst.
Hier eine Übersicht über den Inhalt:
1) Was ist traumasensibles Yoga? Und wodurch unterscheidet es sich von normalem Yoga?
2) Was ist die Polyvagaltheorie und wie kann dir diese helfen?
3) Wirksame Übungen zur Regulation des Vagusnervs
4) Sicherheit und Stabilität aufbauen (durch Orientierung, Ressourcen, Erdung)
5) Interozeption, deine innere Landkarte (Körper spüren)
6) Wahlmöglichkeiten, als Weg zur Selbstermächtigung
7) Abschluss
Ich freue mich, wenn ich dich auf dieser Reise begleiten darf und unterstütze dich gerne. Wenn du im Vorfeld Fragen hast, wende dich gerne an mich. Neben dem Kurs steht dir eine Community über Facebook zur Verfügung zum Austausch.
Namaste
Rosi (Ergotherapeutin und Yogalehrerin)