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Klavier Spielen durch Sensomotorik
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26 students

Klavier Spielen durch Sensomotorik

Von grundlegenden Techniken über freie Improvisation zum stimmigen Literaturspiel
Created byLutz Pfingsten
Last updated 5/2024
German
German

What you'll learn

  • Du lernst Klavierspielen von Grund auf
  • Klänge erkunden durch freie Improvisation
  • Literaturspiel, das Dir entspricht (authentisch) und zu dem passt, was du spielst
  • Deine Technik verbessert sich durch Selbsterkundung

Course content

2 sections • 11 lectures • 1h 52m total length
  • Einführungsvideo5:39
  • Spiel mit den Handballen2:37

    In dieser Lektion kannst du folgende Erfahrungen machen.

    1. Wenn du den Arm und die Hand mit dem Handballen auf dem Klavier ablegst, entsteht ein Klang

    2. Die Lautstärke des Klanges ist von der Geschwindigkeit der Arm-Hand-Bewegung abhängig.

    3. Nach dem "Anschlag" ruht der Arm auf 3-5 weissen Tasten

  • Abstützen des Armes mit eins zwei oder drei Fingern.4:59
  • Fingertechnik11:47

    Die klassische Fingertechnik ist die grundlegende Spieltechnik. Sie hat ihren Ursprung im Spiel der extrem leichtgängigen Klaviere der Mozartzeit. Es ist aber ein Irrtum zu Glauben, dass die noch älteren Cembali und Orgeln leichter zu spielen gewesen wären.


    Freie Beweglichkeit der Finger durch Abstützen mit dem Daumen

    • Setzte den Daumen auf eine Taste, ohne dass diese laut klingt. --> zeigen

    • RIchte darüber den Handrücken auf und neige ihn nach innen, --> zeigen
      Es entsteht die bekannte Dachhaltung

    • Das Ergebnis: Die Finger können an einem Ort gehalten werde und sie sind
      nicht durch die Abstützungsfunktion in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt

    Grundübung Fingerschwung

    • Hand und Daumen bleiben nun in dieser Funktionalität ( Daumen stützt Hand ) vereint

    • Bewege nun die Hand in der Form wie sie ist an eine andere Stelle auf der Klaviatur (<--Daumen liegt am besten auf der Leiste vor den Tasten)

    • Hole nun mit jedem Finger aus in dem die Richtung vorne oben streckst
      dIrekt danach kehre die Bewegung um und führe den Finger direkt auf die Taste, sodass nun sogar ein  Teil des
      Handgewichts in der Taste ruht.

    • Für die Finger 3-5 (Mittel, RIng und kleiner Finger) gilt: Die Sehnen ihrer Strecker sind bei allen Menschen individuell verwachsen. Daher gilt: Diese Finger dürfen bis zu einem gewissen Grad gemeinsam agieren ( besser gesagt: mitgehen)

    Figuren zur Verlängerung eines Tons

    • Das Cembalo, aus dem  das Klavier entwickelt wurde hatte zwei Nachteile:

      • Die Saiten wurden im wesentlich mit immer der gleichen Lautstärke angezupft.

      • Ein einzelner Ton trug nicht recht lang

    • Problem Nr. 1 wurde mit mehreren Chören gelöst, die an und abschaltbar waren, oder mit einer einfachen Dämpfung. Allerdings konnte man damit nicht innerhalb einer Phrase lauter und leiser werden. Auf dieses Problem gehen wir in Lektion 6 weiter ein.

    • Problem Nr. 2 aber war nur lösbar, in dem ein Ton durch hinzufügen anderer Töne verlängert wurden, ohne dass diese die Harmonie verliessen.

    • Wechseln sich nur zwei Töne ab, nennt man das Ergebnis Triller

    • Die anderen Tonfolgen heissen Spielfiguren

    Spiele nun die folgend Spielfiguren

    • beachte die zu verwendenden Finger 3-5- oder 2-4

    • Spiele jetzt  in jeder Hand die jeweile jeweils drei Mal  von den ersten drei bis vier Tönen einer Tonleiter aus

  • Reflexion der Technik-Hierarchie
  • Erw. Klassische Fingertechnik13:24

    Fortgeschrittene klassische Fingertechnik


    • Daumenintegration Spielfinger und für den Daumenuntersatz

    • Fünffingerübung in allen Artikulationen 

    • Propriozeption (Innere Wahrnehmung von Bewegungen, Lage und Kraft) = Martienssens Klangwille

    • Dynamisches Spiel mit Hörkontrolle

    • Tonleiter und Arpeggien

    • Triller und "Trommelbässe" und "Albertibässe"

    Fünffingerübung

    • Ich beschreibe den Übungsablauf

      • Der erste Finger oder Daumen wird in eine Taste gelegt

        • Diesmal sollen diese ersten Bewegungen Klang erzeugen

      • Gleichzeitig ist dieser erste Finger ab jetzt eine Abstützung für den fplgenden Anschlag des Nachbarfingers

      • Spiele in der Reihenfolge folgende Artikualtionen

        • Legato

        • Staccato (mit schnellen Streckbewegungen des Fingers)

        • Portato (Finger sind ungefähr gleich lang in der Taste, wie sie in der Luft sind)

    Dabei mache Dir klar, daß nur das Legato immer diese Abstützung zulässt. Mache dich mal kinästetisch auf die Suche nach einer alternativen Wahrnehmung.

    Welche Aufgabe könnte dabei die Aufrichtung zukommen?


    Fühlen

    • Gewichtsanteil auf den stützenden Fingern/Daumen

    • Geschwindigkeit des Fingeranschlags

    • Ausgleichsbewegungen des Handgelenks

      • Ziel: Spielende Finger zur Achse des Unterarmes


    Hören

    • Spiele die Fünffingerübung von eben. Nun mit Dynamik

      • Vier Anschläge cresc. Und vier Anschläge diminuendo

    • Gleiche das Hörerlebnis und die Gefühle für Geschwindigkeit und Gewicht miteinander ab

    • Erwartete Ergebnis:

      • Hohe Geschwindigkeit der Anschlages —> Lautere Töne

      • Langsamer Anschlag —> Leisere Töne

    • Mögliche Beobachtungen

      • Stärkere Abstützung führt zu einem kontrollierteren nächsten Ton

      • Gleichzeitig aber zu langsameren Spiel

      • Daher werden die Abstützungsnoten immer weiter auseinander gezogen

      • Und unter Umständen zu Verkrampfungen des Handgelenks

      • Daher bauen wir kleine Kreisbewegungen des Handgelenks als eine Art Lockerheitskontrolle ein




  • Klassisches üben und Interpretieren12:54

    Brillantes Tonleiterspiel

    • Wir kennen jetzt bereits zwei Ebenen der Klaviertechnik

      • Undifferenzierte Technik Einen Finger von Taste zu Taste tragen

      • DIe klassische Technik mit Untersatz und Ausgleichsbewegungen (sehr genau)

    • Nach dieser Lektion werden wir uns noch mit mit folgenden weiteren Entwicklungsebenen Beschäftigen.

      • Romantische Technik mit großerer Klanglicher und dynamischer Bandvreite (sehr expressiv)

      • Expansive Technik (Martienssen) als Integration von Genauigkeit und Ausdrucksstärke

    Um Geschwindigkeit, Ton- und Artikulationsqualität zu verbessern, ist es nun nötig, unser ganzes Wissen (durch Experiment bestätigte Theorien) des Fingeranschlags und der Transportbewegungen zu einer  fundierten Praxis des Tonleiterspiels zu vereinen. 

    Es entsteht eine Technik die zwar aus den Basistechniken entstanden ist, die im Ergebnis aber einzigartig und nur zu diem Zweck, des klassischen Tonleiterspiels zu gebrauchen ist.

    Ohne diesen buchstäblichen Zwischenschritt ist es nahezu  unmöglich die Tonleitern in klassischer Weise spielen zu lernen.

    historische Beispiele: Etuden von Cerny, Cramer-Bülow, Hanon. Literatur: Unzählige Beispiele: hier nur die gar nicht so leichte KV545 "Sonata facile" von W.A. Mozart.

    Propriozeption als Wahrnehmung des Spiels

    • Empfindungen vor dem Anschlag - Aufrichtung ev. Abstützung

    • Streckung-Hebung - FIngerbewegung

    • Integrierende Fortbewegungsempfindung - Gewichtsverlagerung (weist uns schon zur "Expansiven Technik" s. Martienssen)

    Diese Empfindungen machen es möglich, z.B ein Allegro cantante zu spielen. Also schnell und doch gut klingend.


    Tonleiter C-dur mit Fingersatz eine Oktave

    • Aufwärts (für die Linke abwärts)
      Daumenuntersatz entsteht, wenn der Daumen dem Fingersatz folgt und die Hand weitgehend ruhig bleibt
      So entsteht eine Relativbewegung des Daumens zur Hand
      Durch Abstützung des Daumens kann die Hand nun seitlich nach oben bewegt werden

    • Abwärts (für die Linke aufwärts)
      Auf dem Rückweg führen nun der 3. oder 4. Finger und führen die gesamte Hand über den Daumen hinaus zum nächsten Taste. Dadurch bewegt sich dann die Hand bei jedem Übersatz der Finger eine Lage weiter nach unten.
      Das Daumen-Grundgelenk fungiert dabei als eine Art Scharnier. Der Daumen bleibt an seinem Platz, bis die neue Note gespielt ist.

    • Natürlich sind für die linke Hand alle Anweisungen spiegelverkehrt auszuführen.


    Klassisches Oktavenspiel

    Schau mal bei Mozart in den Sonaten nach, da findest du Oktaven, um

    • eine Bassstimme um einen Kontrabaß zu erweitern, z.B. c-moll Fantasie

    • als virtuose Kadenz Kadenz, aber nicht in einer Hand! auch c-moll Fantasie, sondern verteilt auf beide Hände

    • oder als Orchestrierung der Oberstimme mit Bläsern, z.B. im "Türkischen Marsch"

    Wegen der Leichtgängigkeit der Klaviere der Wiener Klassik können wir vielleicht davon ausgehen, dass die bevorzugte Spielbewegung für die Oktaven der klassische Handwurf war. Berücksichtigt man, dass in unseren Händen jeder Finger und auch der Daumen durch einen weiteren eigenen Knochen repräsentiert ist,  kann man überraschenderweise sagen, dass das klassische Spiel aus dem Handgelenk tatsächlich eine Art kollektiven Fingeranschlag  darstellt. Bei beiden Techniken gibt es propriozeptive Wahrnehmungen von Lage, Bewegung und Kraft.

    • Empfindungen vor dem Anschlag

    • Streckung-Hebung

    • Integrierende Fortbewegungsempfindung -
      Die flatternde Hand wird bei den schnellen Oktaven vom Arm über die Tastatur geführt

    • Beim Üben muß die Bewegung in Zeitlupe von der Fingerspitze her geleitet werden
      Finger strecken sich zum Anschlag in Richtung der zu spielenden Taste und nehmen die Hand mit (Finger-U.-Arm-Achse)

    Klassischer Handgelenk-Schwung

    • Hebe eine Hand von den Fingerknöcheln (Fingerspitzen ist mehr Fingerspiel) her.

    • Dadurch heben sich die Finger von den Tasten

    • Lasse jetzt die Finger auf einen Terz oder Akkordgriff fallen. Nun liegt deine Hand mit ihrem Eigengewicht auf den Tasten.

    • Die Lautstärke ist sehr begrenzt durch die Fallhöhe und das geringe Handgewicht

    • Das Klangergebnis ist viel heller und weniger voluminös als beim eben beschriebenen romantischen Gewichtspiel

    Klassisches Arpeggio

    Wie im Tonleiterspiel ist auch die Akkordbrechung (Arpeggio) ein Mittel, Virtuosität zu zeigen. Stark zum Einsatz kommen beide Formen in den meist frei improvisierten Kadenzen oder Fantasien.


  • Romantisches Technik27:33

    Romantisches Gewichtspiel



    • In der vorhergehenden Lektion haben wir den Daumen verwendet, um die Finger von der Abstützungsfunktion zu befreien.

    • So kann man wohlklingende und differenzierte kleine Figuren gestalten.


    • Die Fingertechik der Romantik soll vor allem für ein extrem klangvolles gesangliches Spiel sorgen.


    • In der Konstruktion der Musik ist die Melodie absolut im Vordergrund.

    • Romantische Melodiephrasen sind zudem sehr lang. Man sprach auch von der "unendlichen Melodie".

    • Nun wollen wir aber die Melodie nicht mit Trillern überladen, wie noch im Barock und der Frühklassik


    • In der Romantik und auch heute kann ein Flügelton auch in der mittelhohen Lage über 10sec klingen

    • Heute ist ein Klavier sehr robust gebaut. Es hat einen Rahmen aus Gusseisen für die Stahlsaiten
      Dadurch ist  die dynamische Bandbreite es Instrumentes wesentlich größer als vorher

    • Damit wir die auch nutzen können brauchen wir mehr als Fingerspiel und seitliches Handgelenkbewegungen.

    • Wir erinnern uns noch einmal kurz an das Spiel mit dem Handballen


    • Das Handgewicht fiel dabei nicht auf die Finger, sondern auf den jeweiligen Handballen.

    • Ich demonstriere das nochmal DemoVideo (Metronom)

    • Nun landet das Armgewicht eben nicht auf dem großen Handballen, sondern über die Fingerpolster auf den Tasten.

    • Das ist schon eine gute Vorbereitung für die Romantische Gewichtstechnik

    Passives Handgelenkspiel

    Passiv nennt man eine Technik, wenn ein Bewegung bewusst in Gegenrichtung zum Anschlag, meist gegen die Schwerkraft, ausgeführt wird. der Anschlag geschieht dann durch Schwerkraft und die Rückstellkräfte der Sehnen und Muskeln. (passiv)

    • EIne unsichtbare Schlinge hebt das Handgelenk. aus dem Daumenstütz

    • Die Schlinge führt Hand und Arm zu einem Akkordgriff und läst dann los

    • Die immer noch  geformte Hand fällt in einen Akkord


    • Der Klang, den wir jetzt hören ergibt sich wie oben beschrieben aus dem fallenden Unterarm und dem reflexiven Greifen der Finger

      • Nur das Handgelenk fällt. Im Endeffekt bedeutet das aber: Hand und Unterarmgewicht

      • Die Finger halten Kontakt mit der Tastenoberfläche. So ist die Fallhöhe auf ca. 5cm begrenzt

      • !! Es ist nicht nötig, nachzudrücken, denn der Ton wird dadurch nicht nachträglich lauter. (Beim Keyboard-Aftertouch schon)  -->Beim Klavier ermüdet der Spieler schnell  das Klavier fühlt sich "schwergängig" an.

      • !! Das Schlagen  auf die Tastatur (d.h. das aktive Spiel mit Hand oder Armkraft) sollte zunächst vermieden werde. Später kann es als Effekt genutzt werden
        Wenn man mit steifen Finger auf eine Taste schlägt, kann der durch die Mechanik verstärkte Impuls Hämmer oder Saiten zerstören. --> Gefahr von zeit- und nervenaufreibenden Reparaturen.


      • Hebe jetzt den Arm wieder hoch und lasse das Handgelenk ihn zum nächsten Akkordgriff führen

      • DemoVideo Anschlag mit Transportbewegung

    • Spiele eine Akkordfolge (Sextakkorde) über eine Oktave (8 Töne) und zurück jeweils drei mal mit Reflexion
      Logic-Notation mit Metronom



    Oktavenspiel

    • Die Oktaven bestehen nur aus zwei Tönen

    • Sind aber nicht leichter als die dreitönigen Akkorde

      • Die Hand ist beim Spiel gespreizter

      • Das Handgelenk neigt dabei zur Versteifung, was meist nicht günstig günstig ist

    • Die Oktaven dienen uns hier als Mittel, um Melodien zu verstärken. indem wir sie verdoppeln, durch eine Aufteilung des Spielgewichts zwischen Daumen und Fingern. Streng genommen ist das Spiel mit den Sextakkorden auch so etwas.

    • Wir könnten diese Klangverstärkung auch orchestral als Instrumentierung (1.Geige + 2. Geige unisono) bezeichnen. Bei den Organisten heißt das Registrierung (8´+ 4´ Register).

    Springbässe

    Dir ist sicher schon aufgefallen, die Begleitung für eine romantische Melodie, wie zum Beispiel einen Chopin Walzer fast ausschließlich in der linken Hand stattfindet. Nicht selten muß also die linke Hand am Klavier die Bassfunktion und die Akkordfunktion gleichzeitig ausführen. Das Keyboard wurde ursprünglich nicht so eingesetzt. Hier spielt man entweder Akkorde, Klangflächen oder Solomelodien. Dafür reichte eine Hand. Daher die etwas abfällige Bezeichnung einarmige Banditen für die Keyborder in der Band.

    Übe die einfache Akkordfolge C - G7  = I V7 dann auch d - G7 - C = II V I

    • C-dur (I. Stufe in C) - G7 (V. Stufe in C) Logic Video Grundakkord Tonika (I) und Dominante(V) in C-dur

    • Erst den Baßton C, dann 2 Oktaven höher den C dur Akkord in Oktavlage (das c ist der oberste Ton im Dreiklang)

    • Jetzt den Baßton G (unter dem eben gespielten) und ebenfalls 2 Oktaven höher G7 in Terzlage (das h ist oben).

    • 1. Version: 3 stimmige Akkorde  rechts (bei G7 den Grundton weglassen), Baßtöne links

    • 2. Version: Beides mit der linken Hand

    • DemoVideo

    • Zwei Versionen


  • Expansive Technik23:15

Requirements

  • Du brauchst ein gutes Keyboard mit Anschlagsdynamik oder ein mechanisches Klavier
  • Noten lesen solltest du können. Blattspiel ist nicht nicht so wichtig

Description

Die Grundprinzipien des Kurses


Ganzheitlichkeit

Jede/r Klavierlehrer/in hat wohl ihren/seinen eigenen Stil.

Technik, oder Gefühl oder Intellektualität stehen dann im Vordergrund des Unterrichts.


Wir sollten uns jedoch vergegenwärtigen, daß auf jeder Stufe einer Entwicklung Denken Fühlen und Handeln ineinandergreifen, egal welcher Teilwelt wir als Menschen verhaftet sind. Diese Art von Ganzheitlichkeit macht uns Menschen  aus.


Um es konkret zu machen:

Es hilft nichts einem Studenten zu sagen, dass sein gefühlvolles, aber extrem fehlerhaftes weil technisch nicht ausgereiftes Spiel genauso bewertet werden kann, wie das Spiel der vergleichbar emotionalen aber technisch gereiften Kollegin.


Anders ausgedrückt:

Wir können die unterschiedlichen Welten von Bewegung, Gefühl und Verstand nicht gegeneinander ausspielen.

Und doch ist die Unterschiedlichkeit wie alles im Menschen zusammenspielt vielleicht das, was uns an Kunst und Musik dermassen fasziniert.


Hierarchischer Aufbau

Der Begriff Hierarchie wird in den verschiedenen Bereichen des menschlichen Lebens  unterschiedlich verwendet Daher sage ich jetzt, welche Art „Hierarchie“ hier gemeint ist.

Um nicht ins allgemeine abzuschweifen, hier geht es um „Funktionshierarchien“, nicht um „Machthierarchien“ oder „Intelligenzhierarchien“ o.ä.

Wir können auch von einer Evolution sprechen, die eine Form von Lernen ist.


Die Hierarchie ist ein philosophisches Konstrukt in dem bestimmte Gesetzte gelten

Höhere Stufen sorgen für Qualität

Basisstufen sind unbedingt nötig und sorgen für Stabilität

Das geschieht besonders auffällig beim Tanz:

Die Grundfunktionen Gehen, Springen und Drehen  werden verfeinert und sind im Tanz aufgegangen. Oft kann man sie bei der Darbietung nicht mehr identifizieren, denn: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.


Und natürlich beim Klavierunterricht: (Strecken, Greifen —> Spielbewegung, Sitzen, Stützen —> Gegenpol für jede Bewegung, Handgelenkdrehen, Finger —> Tremolo) —> +Propriozeption (Bewegung, Lage- und Kraftsinn) +Hören + Sehen —> Integration

Grundsätzlich gilt:

Lernphase

Die Basisfähigkeiten erwachsen (emergieren) durch stetige Differenzierung (Anpassung)von Unten nach Oben.

Zur Einübung komplexer Techniken integrieren bestimmte Gehirnzentren (z.B. Motorischer Kortex) Teilfunktionen zu komplexen Funktion

Performance

Das so umgestaltete Gehirn ist jetzt in der Lage alle komplexen Teilfunktionen  augenblicklich bei Bedarf abzurufen.


Lernen ist das ständige „Differenzieren und Integrieren“ von Fähigkeiten

Es ist also nicht nötig Musiker heranzuziehen, die nur eine Ausdrucksweise kennen.

Spontaneität

Aus der Sicht der Musikpädagogik des 20.Jahrhunderts war es  notwendig, das spontane Spiel, jegliche Art von Improvisation, wieder zu fördern. So entstand die Rhythmik. Sie sollte den klassischen Musiker wieder vom Kopf auf die Füße stellen.


Damals hatten sich Jazz und Klassik beinahe völlig voneinander getrennt. Während im Jazz fast nur improvisiert wurde, begnügte man sich in der klassischen Musikindustrie mit der klanglichen Perfektionierung jeglicher Form von Reinterpretation.

Mittlerweile haben sich zwei Erkenntnisse durchgesetzt:

1. Auch die komplexe Improvisation muß von Grund auf geübt werden (Jazzpatterns, Skalen etc)

2. DIe Elementare Improvisation offenbart versteckte Gefühlszustände und sollte nicht geübt werden (Musik-Gestalttherapie)


Improvisation und

to improve (sich verbessern)

Haben zumindest im Englischen den gleichen Wortstamm.

Meine Idee ist, dass in der spontanen Improvisation unter günstigen Bedingungen sogar Mikro-Verbesserungen entstehen, da die Wahrnehmung dabei sozusagen "freischwebend" ist während sich der Spielapparat darunter ständig neu organisiert. Das gelingt nur, wenn


Und wieder ist alles eine Frage der Definition.

Ich finde die Umschreibung des Englisch - Deutsch Lexikons auf meinem Mac sehr gut:

„Improvisieren (composing while performing)“


Sie werden vielleicht mit mir übereinstimmen, daß die Komposition eine recht hohe Kunst ist, die einige Zeit des Studiums braucht. Und bis zur Meisterschaft braucht es auch eine gewisse Zeit bis ein Stück fertig geschrieben ist.


Wenn man nun in der Lage ist, während des Spielens zu komponieren, wie es z.B. unter vielen anderen auch von J.S. Bach, Frederic Chopin, aber auch einigen heutigen Klavierkomponisten bekannt ist, dann integriert man alle Möglichkeiten des musikalischen Ausdrucks in einem Moment.


Wir brauchen also das spontane Spiel, um erworbene Fähigkeiten zusammenzubringen (zu integrieren) und dadurch weiter zu wachsen.


Who this course is for:

  • Selbstlerner, die fachlich Anleitung brauchen
  • Amateure, die weiterkommen wollen
  • Instrumentalisten, de Improvisation, Notenlesen und Liedbegleitung integrieren möchten
  • Korrepetitoren, die schneller lernen wollen