
In dieser Lektion kannst du folgende Erfahrungen machen.
Wenn du den Arm und die Hand mit dem Handballen auf dem Klavier ablegst, entsteht ein Klang
Die Lautstärke des Klanges ist von der Geschwindigkeit der Arm-Hand-Bewegung abhängig.
Nach dem "Anschlag" ruht der Arm auf 3-5 weissen Tasten
Die klassische Fingertechnik ist die grundlegende Spieltechnik. Sie hat ihren Ursprung im Spiel der extrem leichtgängigen Klaviere der Mozartzeit. Es ist aber ein Irrtum zu Glauben, dass die noch älteren Cembali und Orgeln leichter zu spielen gewesen wären.
Freie Beweglichkeit der Finger durch Abstützen mit dem Daumen
Setzte den Daumen auf eine Taste, ohne dass diese laut klingt. --> zeigen
RIchte darüber den Handrücken auf und neige ihn nach innen, --> zeigen
Es entsteht die bekannte Dachhaltung
Das Ergebnis: Die Finger können an einem Ort gehalten werde und sie sind
nicht durch die Abstützungsfunktion in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt
Grundübung Fingerschwung
Hand und Daumen bleiben nun in dieser Funktionalität ( Daumen stützt Hand ) vereint
Bewege nun die Hand in der Form wie sie ist an eine andere Stelle auf der Klaviatur (<--Daumen liegt am besten auf der Leiste vor den Tasten)
Hole nun mit jedem Finger aus in dem die Richtung vorne oben streckst
dIrekt danach kehre die Bewegung um und führe den Finger direkt auf die Taste, sodass nun sogar ein Teil des
Handgewichts in der Taste ruht.
Für die Finger 3-5 (Mittel, RIng und kleiner Finger) gilt: Die Sehnen ihrer Strecker sind bei allen Menschen individuell verwachsen. Daher gilt: Diese Finger dürfen bis zu einem gewissen Grad gemeinsam agieren ( besser gesagt: mitgehen)
Figuren zur Verlängerung eines Tons
Das Cembalo, aus dem das Klavier entwickelt wurde hatte zwei Nachteile:
Die Saiten wurden im wesentlich mit immer der gleichen Lautstärke angezupft.
Ein einzelner Ton trug nicht recht lang
Problem Nr. 1 wurde mit mehreren Chören gelöst, die an und abschaltbar waren, oder mit einer einfachen Dämpfung. Allerdings konnte man damit nicht innerhalb einer Phrase lauter und leiser werden. Auf dieses Problem gehen wir in Lektion 6 weiter ein.
Problem Nr. 2 aber war nur lösbar, in dem ein Ton durch hinzufügen anderer Töne verlängert wurden, ohne dass diese die Harmonie verliessen.
Wechseln sich nur zwei Töne ab, nennt man das Ergebnis Triller
Die anderen Tonfolgen heissen Spielfiguren
Spiele nun die folgend Spielfiguren
beachte die zu verwendenden Finger 3-5- oder 2-4
Spiele jetzt in jeder Hand die jeweile jeweils drei Mal von den ersten drei bis vier Tönen einer Tonleiter aus
Fortgeschrittene klassische Fingertechnik
Daumenintegration Spielfinger und für den Daumenuntersatz
Fünffingerübung in allen Artikulationen
Propriozeption (Innere Wahrnehmung von Bewegungen, Lage und Kraft) = Martienssens Klangwille
Dynamisches Spiel mit Hörkontrolle
Tonleiter und Arpeggien
Triller und "Trommelbässe" und "Albertibässe"
Fünffingerübung
Ich beschreibe den Übungsablauf
Der erste Finger oder Daumen wird in eine Taste gelegt
Diesmal sollen diese ersten Bewegungen Klang erzeugen
Gleichzeitig ist dieser erste Finger ab jetzt eine Abstützung für den fplgenden Anschlag des Nachbarfingers
Spiele in der Reihenfolge folgende Artikualtionen
Legato
Staccato (mit schnellen Streckbewegungen des Fingers)
Portato (Finger sind ungefähr gleich lang in der Taste, wie sie in der Luft sind)
Dabei mache Dir klar, daß nur das Legato immer diese Abstützung zulässt. Mache dich mal kinästetisch auf die Suche nach einer alternativen Wahrnehmung.
Welche Aufgabe könnte dabei die Aufrichtung zukommen?
Fühlen
Gewichtsanteil auf den stützenden Fingern/Daumen
Geschwindigkeit des Fingeranschlags
Ausgleichsbewegungen des Handgelenks
Ziel: Spielende Finger zur Achse des Unterarmes
Hören
Spiele die Fünffingerübung von eben. Nun mit Dynamik
Vier Anschläge cresc. Und vier Anschläge diminuendo
Gleiche das Hörerlebnis und die Gefühle für Geschwindigkeit und Gewicht miteinander ab
Erwartete Ergebnis:
Hohe Geschwindigkeit der Anschlages —> Lautere Töne
Langsamer Anschlag —> Leisere Töne
Mögliche Beobachtungen
Stärkere Abstützung führt zu einem kontrollierteren nächsten Ton
Gleichzeitig aber zu langsameren Spiel
Daher werden die Abstützungsnoten immer weiter auseinander gezogen
Und unter Umständen zu Verkrampfungen des Handgelenks
Daher bauen wir kleine Kreisbewegungen des Handgelenks als eine Art Lockerheitskontrolle ein
Brillantes Tonleiterspiel
Wir kennen jetzt bereits zwei Ebenen der Klaviertechnik
Undifferenzierte Technik Einen Finger von Taste zu Taste tragen
DIe klassische Technik mit Untersatz und Ausgleichsbewegungen (sehr genau)
Nach dieser Lektion werden wir uns noch mit mit folgenden weiteren Entwicklungsebenen Beschäftigen.
Romantische Technik mit großerer Klanglicher und dynamischer Bandvreite (sehr expressiv)
Expansive Technik (Martienssen) als Integration von Genauigkeit und Ausdrucksstärke
Um Geschwindigkeit, Ton- und Artikulationsqualität zu verbessern, ist es nun nötig, unser ganzes Wissen (durch Experiment bestätigte Theorien) des Fingeranschlags und der Transportbewegungen zu einer fundierten Praxis des Tonleiterspiels zu vereinen.
Es entsteht eine Technik die zwar aus den Basistechniken entstanden ist, die im Ergebnis aber einzigartig und nur zu diem Zweck, des klassischen Tonleiterspiels zu gebrauchen ist.
Ohne diesen buchstäblichen Zwischenschritt ist es nahezu unmöglich die Tonleitern in klassischer Weise spielen zu lernen.
historische Beispiele: Etuden von Cerny, Cramer-Bülow, Hanon. Literatur: Unzählige Beispiele: hier nur die gar nicht so leichte KV545 "Sonata facile" von W.A. Mozart.
Propriozeption als Wahrnehmung des Spiels
Empfindungen vor dem Anschlag - Aufrichtung ev. Abstützung
Streckung-Hebung - FIngerbewegung
Integrierende Fortbewegungsempfindung - Gewichtsverlagerung (weist uns schon zur "Expansiven Technik" s. Martienssen)
Diese Empfindungen machen es möglich, z.B ein Allegro cantante zu spielen. Also schnell und doch gut klingend.
Tonleiter C-dur mit Fingersatz eine Oktave
Aufwärts (für die Linke abwärts)
Daumenuntersatz entsteht, wenn der Daumen dem Fingersatz folgt und die Hand weitgehend ruhig bleibt
So entsteht eine Relativbewegung des Daumens zur Hand
Durch Abstützung des Daumens kann die Hand nun seitlich nach oben bewegt werden
Abwärts (für die Linke aufwärts)
Auf dem Rückweg führen nun der 3. oder 4. Finger und führen die gesamte Hand über den Daumen hinaus zum nächsten Taste. Dadurch bewegt sich dann die Hand bei jedem Übersatz der Finger eine Lage weiter nach unten.
Das Daumen-Grundgelenk fungiert dabei als eine Art Scharnier. Der Daumen bleibt an seinem Platz, bis die neue Note gespielt ist.
Natürlich sind für die linke Hand alle Anweisungen spiegelverkehrt auszuführen.
Klassisches Oktavenspiel
Schau mal bei Mozart in den Sonaten nach, da findest du Oktaven, um
eine Bassstimme um einen Kontrabaß zu erweitern, z.B. c-moll Fantasie
als virtuose Kadenz Kadenz, aber nicht in einer Hand! auch c-moll Fantasie, sondern verteilt auf beide Hände
oder als Orchestrierung der Oberstimme mit Bläsern, z.B. im "Türkischen Marsch"
Wegen der Leichtgängigkeit der Klaviere der Wiener Klassik können wir vielleicht davon ausgehen, dass die bevorzugte Spielbewegung für die Oktaven der klassische Handwurf war. Berücksichtigt man, dass in unseren Händen jeder Finger und auch der Daumen durch einen weiteren eigenen Knochen repräsentiert ist, kann man überraschenderweise sagen, dass das klassische Spiel aus dem Handgelenk tatsächlich eine Art kollektiven Fingeranschlag darstellt. Bei beiden Techniken gibt es propriozeptive Wahrnehmungen von Lage, Bewegung und Kraft.
Empfindungen vor dem Anschlag
Streckung-Hebung
Integrierende Fortbewegungsempfindung -
Die flatternde Hand wird bei den schnellen Oktaven vom Arm über die Tastatur geführt
Beim Üben muß die Bewegung in Zeitlupe von der Fingerspitze her geleitet werden
Finger strecken sich zum Anschlag in Richtung der zu spielenden Taste und nehmen die Hand mit (Finger-U.-Arm-Achse)
Klassischer Handgelenk-Schwung
Hebe eine Hand von den Fingerknöcheln (Fingerspitzen ist mehr Fingerspiel) her.
Dadurch heben sich die Finger von den Tasten
Lasse jetzt die Finger auf einen Terz oder Akkordgriff fallen. Nun liegt deine Hand mit ihrem Eigengewicht auf den Tasten.
Die Lautstärke ist sehr begrenzt durch die Fallhöhe und das geringe Handgewicht
Das Klangergebnis ist viel heller und weniger voluminös als beim eben beschriebenen romantischen Gewichtspiel
Klassisches Arpeggio
Wie im Tonleiterspiel ist auch die Akkordbrechung (Arpeggio) ein Mittel, Virtuosität zu zeigen. Stark zum Einsatz kommen beide Formen in den meist frei improvisierten Kadenzen oder Fantasien.
Romantisches Gewichtspiel
In der vorhergehenden Lektion haben wir den Daumen verwendet, um die Finger von der Abstützungsfunktion zu befreien.
So kann man wohlklingende und differenzierte kleine Figuren gestalten.
Die Fingertechik der Romantik soll vor allem für ein extrem klangvolles gesangliches Spiel sorgen.
In der Konstruktion der Musik ist die Melodie absolut im Vordergrund.
Romantische Melodiephrasen sind zudem sehr lang. Man sprach auch von der "unendlichen Melodie".
Nun wollen wir aber die Melodie nicht mit Trillern überladen, wie noch im Barock und der Frühklassik
In der Romantik und auch heute kann ein Flügelton auch in der mittelhohen Lage über 10sec klingen
Heute ist ein Klavier sehr robust gebaut. Es hat einen Rahmen aus Gusseisen für die Stahlsaiten
Dadurch ist die dynamische Bandbreite es Instrumentes wesentlich größer als vorher
Damit wir die auch nutzen können brauchen wir mehr als Fingerspiel und seitliches Handgelenkbewegungen.
Wir erinnern uns noch einmal kurz an das Spiel mit dem Handballen
Das Handgewicht fiel dabei nicht auf die Finger, sondern auf den jeweiligen Handballen.
Ich demonstriere das nochmal DemoVideo (Metronom)
Nun landet das Armgewicht eben nicht auf dem großen Handballen, sondern über die Fingerpolster auf den Tasten.
Das ist schon eine gute Vorbereitung für die Romantische Gewichtstechnik
Passives Handgelenkspiel
Passiv nennt man eine Technik, wenn ein Bewegung bewusst in Gegenrichtung zum Anschlag, meist gegen die Schwerkraft, ausgeführt wird. der Anschlag geschieht dann durch Schwerkraft und die Rückstellkräfte der Sehnen und Muskeln. (passiv)
EIne unsichtbare Schlinge hebt das Handgelenk. aus dem Daumenstütz
Die Schlinge führt Hand und Arm zu einem Akkordgriff und läst dann los
Die immer noch geformte Hand fällt in einen Akkord
Der Klang, den wir jetzt hören ergibt sich wie oben beschrieben aus dem fallenden Unterarm und dem reflexiven Greifen der Finger
Nur das Handgelenk fällt. Im Endeffekt bedeutet das aber: Hand und Unterarmgewicht
Die Finger halten Kontakt mit der Tastenoberfläche. So ist die Fallhöhe auf ca. 5cm begrenzt
!! Es ist nicht nötig, nachzudrücken, denn der Ton wird dadurch nicht nachträglich lauter. (Beim Keyboard-Aftertouch schon) -->Beim Klavier ermüdet der Spieler schnell das Klavier fühlt sich "schwergängig" an.
!! Das Schlagen auf die Tastatur (d.h. das aktive Spiel mit Hand oder Armkraft) sollte zunächst vermieden werde. Später kann es als Effekt genutzt werden
Wenn man mit steifen Finger auf eine Taste schlägt, kann der durch die Mechanik verstärkte Impuls Hämmer oder Saiten zerstören. --> Gefahr von zeit- und nervenaufreibenden Reparaturen.
Hebe jetzt den Arm wieder hoch und lasse das Handgelenk ihn zum nächsten Akkordgriff führen
DemoVideo Anschlag mit Transportbewegung
Spiele eine Akkordfolge (Sextakkorde) über eine Oktave (8 Töne) und zurück jeweils drei mal mit Reflexion
Logic-Notation mit Metronom
Oktavenspiel
Die Oktaven bestehen nur aus zwei Tönen
Sind aber nicht leichter als die dreitönigen Akkorde
Die Hand ist beim Spiel gespreizter
Das Handgelenk neigt dabei zur Versteifung, was meist nicht günstig günstig ist
Die Oktaven dienen uns hier als Mittel, um Melodien zu verstärken. indem wir sie verdoppeln, durch eine Aufteilung des Spielgewichts zwischen Daumen und Fingern. Streng genommen ist das Spiel mit den Sextakkorden auch so etwas.
Wir könnten diese Klangverstärkung auch orchestral als Instrumentierung (1.Geige + 2. Geige unisono) bezeichnen. Bei den Organisten heißt das Registrierung (8´+ 4´ Register).
Springbässe
Dir ist sicher schon aufgefallen, die Begleitung für eine romantische Melodie, wie zum Beispiel einen Chopin Walzer fast ausschließlich in der linken Hand stattfindet. Nicht selten muß also die linke Hand am Klavier die Bassfunktion und die Akkordfunktion gleichzeitig ausführen. Das Keyboard wurde ursprünglich nicht so eingesetzt. Hier spielt man entweder Akkorde, Klangflächen oder Solomelodien. Dafür reichte eine Hand. Daher die etwas abfällige Bezeichnung einarmige Banditen für die Keyborder in der Band.
Übe die einfache Akkordfolge C - G7 = I V7 dann auch d - G7 - C = II V I
C-dur (I. Stufe in C) - G7 (V. Stufe in C) Logic Video Grundakkord Tonika (I) und Dominante(V) in C-dur
Erst den Baßton C, dann 2 Oktaven höher den C dur Akkord in Oktavlage (das c ist der oberste Ton im Dreiklang)
Jetzt den Baßton G (unter dem eben gespielten) und ebenfalls 2 Oktaven höher G7 in Terzlage (das h ist oben).
1. Version: 3 stimmige Akkorde rechts (bei G7 den Grundton weglassen), Baßtöne links
2. Version: Beides mit der linken Hand
DemoVideo
Zwei Versionen
Nach diesem Video werden die Zuschauer die Bedeutung der klassischen Klavierliteratur verstehen, die Besonderheiten der Klaviertechnik kennenlernen und verschiedene Übetechniken zur klanglichen Differenzierung und für das virtuose Spiel erlernt haben. Sie werden ermutigt sein, ihr Klavierspiel weiter zu verbessern und neue musikalische Möglichkeiten zu entdecken. Auch stelle ich ihnen die drei wichtigsten klassischen Klavierkomponisten vor.
Fließtext:
In dieser Präsentation werden wir gemeinsam eine klassische Sonate von W.A. Mozart erarbeiten. Wir werden uns mit den Bestandteilen einer Sonatenform befassen, die es dem Komponisten ermöglichen, verschiedene musikalische Elemente zu gestalten. Dazu gehören die Taktgestaltung, rhythmisch und melodisch wiedererkennbare Figuren und Themen sowie die harmonische Gestaltung. Ein erster und ein zweiter Satz werden oft in unterschiedlichen Tonarten präsentiert, um einen Kontrast zu erzeugen. Der Charakter der Sätze in Bezug auf Klang und Tempo variiert ebenfalls. Der Sonaten-Hauptsatz stellt zwei große Prinzipien einander gegenüber und zeigt Veränderungen durch Modulation und rhythmische Variationen. Ein zweiter Satz ist oft lyrisch und legt Wert auf schöne Melodien, Klangentfaltung und interessante Harmonien. Stilisierte Tänze werden häufig als vorletzter Satz eingeführt, um die Stimmung aufzulockern. Der Schlusssatz ist in der Regel schnell oder sehr schnell und zeigt das virtuose Können des Interpreten.
Stichpunkte:
- Bestandteile einer Sonatenform
- Taktgestaltung und Taktwechsel
- Rhythmisch und melodisch wiedererkennbare Figuren und Themen
- Harmonische Gestaltung
- Erstes und zweites Thema in unterschiedlichen Tonarten
- Charakterliche Eigenschaften der Sätze hinsichtlich Klang und Tempo
- Sonaten-Hauptsatz: Gegenspiel und Durchdringung von zwei großen Prinzipien, Veränderungen durch Modulation und rhythmische Variationen
- Zweiter Satz: lyrisch, betont schöne Melodien, Klangentfaltung und interessante Harmonien
- Stilisierte Tänze als vorletzter Satz, um die Stimmung aufzulockern
- Schlusssatz: schnell oder sehr schnell, zeigt virtuoses Können des Interpreten
- Mögliche Satzfolge: Schnell, Langsam, evtl. Tanzsatz, Schnell bis sehr schnell
Die Grundprinzipien des Kurses
Ganzheitlichkeit
Jede/r Klavierlehrer/in hat wohl ihren/seinen eigenen Stil.
Technik, oder Gefühl oder Intellektualität stehen dann im Vordergrund des Unterrichts.
Wir sollten uns jedoch vergegenwärtigen, daß auf jeder Stufe einer Entwicklung Denken Fühlen und Handeln ineinandergreifen, egal welcher Teilwelt wir als Menschen verhaftet sind. Diese Art von Ganzheitlichkeit macht uns Menschen aus.
Um es konkret zu machen:
Es hilft nichts einem Studenten zu sagen, dass sein gefühlvolles, aber extrem fehlerhaftes weil technisch nicht ausgereiftes Spiel genauso bewertet werden kann, wie das Spiel der vergleichbar emotionalen aber technisch gereiften Kollegin.
Anders ausgedrückt:
Wir können die unterschiedlichen Welten von Bewegung, Gefühl und Verstand nicht gegeneinander ausspielen.
Und doch ist die Unterschiedlichkeit wie alles im Menschen zusammenspielt vielleicht das, was uns an Kunst und Musik dermassen fasziniert.
Hierarchischer Aufbau
Der Begriff Hierarchie wird in den verschiedenen Bereichen des menschlichen Lebens unterschiedlich verwendet Daher sage ich jetzt, welche Art „Hierarchie“ hier gemeint ist.
Um nicht ins allgemeine abzuschweifen, hier geht es um „Funktionshierarchien“, nicht um „Machthierarchien“ oder „Intelligenzhierarchien“ o.ä.
Wir können auch von einer Evolution sprechen, die eine Form von Lernen ist.
Die Hierarchie ist ein philosophisches Konstrukt in dem bestimmte Gesetzte gelten
Höhere Stufen sorgen für Qualität
Basisstufen sind unbedingt nötig und sorgen für Stabilität
Das geschieht besonders auffällig beim Tanz:
Die Grundfunktionen Gehen, Springen und Drehen werden verfeinert und sind im Tanz aufgegangen. Oft kann man sie bei der Darbietung nicht mehr identifizieren, denn: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.
Und natürlich beim Klavierunterricht: (Strecken, Greifen —> Spielbewegung, Sitzen, Stützen —> Gegenpol für jede Bewegung, Handgelenkdrehen, Finger —> Tremolo) —> +Propriozeption (Bewegung, Lage- und Kraftsinn) +Hören + Sehen —> Integration
Grundsätzlich gilt:
Lernphase
Die Basisfähigkeiten erwachsen (emergieren) durch stetige Differenzierung (Anpassung)von Unten nach Oben.
Zur Einübung komplexer Techniken integrieren bestimmte Gehirnzentren (z.B. Motorischer Kortex) Teilfunktionen zu komplexen Funktion
Performance
Das so umgestaltete Gehirn ist jetzt in der Lage alle komplexen Teilfunktionen augenblicklich bei Bedarf abzurufen.
Lernen ist das ständige „Differenzieren und Integrieren“ von Fähigkeiten
Es ist also nicht nötig Musiker heranzuziehen, die nur eine Ausdrucksweise kennen.
Spontaneität
Aus der Sicht der Musikpädagogik des 20.Jahrhunderts war es notwendig, das spontane Spiel, jegliche Art von Improvisation, wieder zu fördern. So entstand die Rhythmik. Sie sollte den klassischen Musiker wieder vom Kopf auf die Füße stellen.
Damals hatten sich Jazz und Klassik beinahe völlig voneinander getrennt. Während im Jazz fast nur improvisiert wurde, begnügte man sich in der klassischen Musikindustrie mit der klanglichen Perfektionierung jeglicher Form von Reinterpretation.
Mittlerweile haben sich zwei Erkenntnisse durchgesetzt:
1. Auch die komplexe Improvisation muß von Grund auf geübt werden (Jazzpatterns, Skalen etc)
2. DIe Elementare Improvisation offenbart versteckte Gefühlszustände und sollte nicht geübt werden (Musik-Gestalttherapie)
Improvisation und
to improve (sich verbessern)
Haben zumindest im Englischen den gleichen Wortstamm.
Meine Idee ist, dass in der spontanen Improvisation unter günstigen Bedingungen sogar Mikro-Verbesserungen entstehen, da die Wahrnehmung dabei sozusagen "freischwebend" ist während sich der Spielapparat darunter ständig neu organisiert. Das gelingt nur, wenn
Und wieder ist alles eine Frage der Definition.
Ich finde die Umschreibung des Englisch - Deutsch Lexikons auf meinem Mac sehr gut:
„Improvisieren (composing while performing)“
Sie werden vielleicht mit mir übereinstimmen, daß die Komposition eine recht hohe Kunst ist, die einige Zeit des Studiums braucht. Und bis zur Meisterschaft braucht es auch eine gewisse Zeit bis ein Stück fertig geschrieben ist.
Wenn man nun in der Lage ist, während des Spielens zu komponieren, wie es z.B. unter vielen anderen auch von J.S. Bach, Frederic Chopin, aber auch einigen heutigen Klavierkomponisten bekannt ist, dann integriert man alle Möglichkeiten des musikalischen Ausdrucks in einem Moment.
Wir brauchen also das spontane Spiel, um erworbene Fähigkeiten zusammenzubringen (zu integrieren) und dadurch weiter zu wachsen.