
ich starte hiermit eine Videoreihe über den Heilpraktiker für Psychotherapie.
In dieser Serie erkläre ich Schritt für Schritt, was man lernen muss, um die Prüfung zu bestehen.
Der Grund, warum ich das mache, ist ganz einfach:
Ich glaube, dass ich euch mit Bildern und sehr einfachen Folien – also mit wenigen, aber klaren Worten – besser helfen kann, als mit dicken Skripten oder langen Theorietexten, wie man sie sonst oft findet.
Ein Bild sagt eben oft mehr als viele Worte.
Das bedeutet natürlich nicht, dass ihr nur mit meinen Folien lernen könnt.
Ihr solltet euch trotzdem noch andere Bücher oder Unterlagen besorgen.
Aber ich glaube, meine Videos sind eine gute Basis, um sich die wichtigsten Dinge wirklich einzuprägen – weil sie visuell, einfach und verständlich sind.
Also: Viel Spaß und viel Erfolg bei eurer Prüfung!
Heute starten wir mit dem Thema „Allgemeines“.
Psychologie, Psychiatrie und Psychotherapie – der Unterschied
Das ist das Erste, was man verstehen sollte.
Psychologie beschäftigt sich mit dem seelischen Erleben des Menschen – also damit, wie Menschen fühlen, denken und handeln.
Das ist nicht immer spannend – viele Psychologiestudierende sind am Anfang überrascht, weil sie plötzlich mit Statistik und sehr theoretischen Themen konfrontiert werden, die nichts mit Krankheit oder Therapie zu tun haben. Psychologie erforscht vor allem das „normale“ seelische Erleben.
Psychiatrie ist die Lehre von den krankhaften seelischen Vorgängen – also von den psychischen Erkrankungen. Hier geht es um Diagnosen, Ursachen und medizinische Behandlungsmethoden.
Psychotherapie schließlich ist die Behandlung seelischer Störungen mit psychologischen Mitteln.
Dazu gehören Methoden wie Verhaltenstherapie, Psychoanalyse und viele andere therapeutische Ansätze.
Das ist oft das Ziel vieler Psychologiestudierender – also das, was man „am Ende wirklich tun“ möchte: Menschen mit psychischen Problemen helfen.
Also: Psychologie – Psychiatrie – Psychotherapie sind drei verschiedene, aber miteinander verbundene Bereiche.
Die Prüfung zum Heilpraktiker für Psychotherapie
Diese Prüfung dient dazu, zu überprüfen, ob jemand die Heilkunde auf dem Gebiet der Psychotherapie ausüben darf.
Man bekommt also eine Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde, aber begrenzt auf den Bereich der Psychotherapie.
In der Prüfung wird vor allem geprüft, ob man eine Gefahr für die Volksgesundheit darstellen würde – also ob man z. B. erkennt, wann jemand suizidal ist oder wann man jemanden an einen Arzt oder Psychiater weiterleiten muss.
Man muss wissen, wo die eigenen Grenzen liegen.
Zwei wichtige Jahreszahlen
Es gibt zwei zentrale Daten, die man sich merken sollte:
1939 – Das Heilpraktikergesetz tritt in Kraft.
Es ist ein altes Gesetz mit einer traurigen Geschichte:
Im Dritten Reich wurde jüdischen Ärzten die Approbation entzogen. Man sagte ihnen, sie könnten stattdessen Heilpraktiker werden – gab ihnen aber kaum Zeit, die nötigen Papiere zu beschaffen. Danach wurde das Gesetz geschlossen, und niemand durfte mehr Heilpraktiker werden.
Ein dunkles Kapitel der Geschichte.
1993 – Die eingeschränkte Heilpraktikererlaubnis für Psychotherapie entsteht.
Der Ursprung war eine Sozialpädagogin, die nach dem Heilpraktikergesetz eine Erlaubnis nur für Psychotherapie beantragte. Ihr Antrag wurde abgelehnt, sie legte Widerspruch ein – und nach einem langen juristischen Hin und Her bekam sie schließlich durch einen Formfehler einer Behörde die Erlaubnis.
Dadurch entstand eine neue Möglichkeit, die sich schnell herumsprach. Immer mehr Menschen stellten denselben Antrag – und so wurde die Heilpraktikererlaubnis, beschränkt auf Psychotherapie, offiziell anerkannt.
Bis Ende 1998 durften Heilpraktiker für Psychotherapie sich sogar noch „Psychotherapeut“ nennen und mit Krankenkassen abrechnen.
Doch mit dem Inkrafttreten des Psychotherapeutengesetzes 1999 wurde der Titel „Psychotherapeut“ nur noch Personen mit abgeschlossenem Studium und Approbation erlaubt – und auch die Abrechnung über Krankenkassen stark eingeschränkt.
Kleine Eselsbrücke:
1939 – 1993 – einfach die Zahlen umdrehen, dann merkt man sich beide.
Das war’s für heute!
Im nächsten Video geht es weiter mit den Themen Psychiatrie, psychische Erkrankungen, Gesetze, Psychopharmaka, Suizidalität und juristische Aspekte – alles in einer einfachen, leicht verständlichen Form.
Und natürlich mit ein bisschen Humor und vielleicht ein paar Outtakes am Ende ?
Also: Viel Spaß – bis zum nächsten Video!
Ciao!
Also, es geht hier um eine traditionelle Einteilung oder Klassifikation, die sich seit Jahrzehnten als gute Orientierungshilfe bewährt hat.
Worum geht es?
Das triadische System teilt die psychiatrischen Krankheitsbilder in drei Hauptbereiche auf:
Psychogene Störungen
Exogene Störungen
Endogene Störungen
Psychogene Störungen
Dazu zählen abnorme Erlebnisreaktionen, Persönlichkeitsstörungen und Neurosen.
Endogene Störungen
Das sind Störungen, bei denen keine eindeutige Ursache gefunden werden kann.
Sie entstehen multifaktoriell, oft genetisch bedingt. Beispiele sind Schizophrenien, manisch-depressive Erkrankungen und andere noch nicht erklärbare körperlich begründbare Psychosen.
Exogene Störungen
Das sind körperlich begründbare Psychosen, bei denen das Gehirn primär oder sekundär betroffen ist.
Dazu gehören akute Psychosen und chronische hirnorganische Syndrome (früher oft als HOPS oder Hirnorganisches Psychosyndrom bezeichnet).
Was versteht man unter HOPS?
HOPS sind hirnorganische Psychosyndrome – meist irreversible Folgezustände eines fortschreitenden Hirnabbauprozesses, z. B. bei Alzheimer.
Dazu gehören auch Folgen von Tumoren, Traumen oder chronisch-toxischen Einwirkungen (z. B. durch Alkohol).
Diese Themen – insbesondere die chronischen hirnorganischen Psychosyndrome und Demenz – werden wir in einem weiteren Video genauer erklären.
In dieser Tabelle (die du erwähnst) sieht man:
Exogene Psychosen sind körperliche Erkrankungen mit Hirnbeteiligung – etwa durch Intoxikationen, Infektionskrankheiten oder Organerkrankungen mit systemischer Beteiligung.
Was bedeutet „systemische Beteiligung“?
Eine systemische Erkrankung betrifft ein ganzes Organsystem, z. B. das Blut (Leukämie), das zentrale Nervensystem oder die Muskulatur als Ganzes.
Zu den primären Hirnerkrankungen zählen z. B. Meningitis, Enzephalitis, Hirntumoren, Delirium, Multiple Sklerose, Epilepsie und Demenz.
Endogene Psychosen umfassen:
Schizophrenie
Manisch-depressive Erkrankungen
Schizoaffektive Störungen
Wahnhafte Erkrankungen
Psychogene Störungen umfassen:
Persönlichkeitsstörungen
Abnorme Erlebnisreaktionen und Persönlichkeitsentwicklungen
Süchte (Alkohol, Drogen)
Sexualstörungen
Essstörungen
Schlafstörungen
Mir hat geholfen, das Ganze im Vergleich zum ICD-10 zu betrachten:
Exogene Psychosen (also primäre Hirnerkrankungen usw.) → F0 und F1
Endogene Psychosen → F2 und F3
Psychogene Störungen → F4 bis F9
Zur Vereinfachung habe ich mir Eselsbrücken gemacht:
Exogen → Körper → körperlich begründbare Störungen.
Endogen → Wahn → Wahnentwicklungen, affektive Störungen, Schizophrenie.
Psychogen → PASS/PRESS: Ich stelle mir eine Presse vor, die einen „Psychopass“ presst. Klingt albern, aber hilft mir beim Merken.
Im imaginären „Psychopass“ stehen also Dinge wie:
Persönlichkeitsstörungen, Anpassungsstörungen, somatoforme Störungen, Schlafstörungen, psychosomatische Störungen, Reaktionen auf schwere Belastungen, Essstörungen, Symptomneurosen und Suchterkrankungen.
Gott sei Dank steht das natürlich nicht wirklich in einem Pass.
Heute geht es um Bewusstseinsstörungen.
Eine Bewusstseinsstörung wird oft als Krankheit gesehen – ist aber eigentlich ein Symptom, also ein Anzeichen für etwas, das eine psychische oder körperliche Ursache haben kann.
Also, legen wir los:
Was ist eigentlich Bewusstsein?
Das ist gar nicht so leicht zu erklären.
In der Psychiatrie – und auch in anderen Bereichen – wird der Begriff unterschiedlich verwendet.
Für uns ist heute aber nur wichtig, sich Folgendes zu merken:
Es gibt zwei Hauptarten von Bewusstseinsstörungen:
Quantitative Bewusstseinsstörungen
Qualitative Bewusstseinsstörungen
Quantitative Bewusstseinsstörungen
Hier geht es darum, wie wach oder ansprechbar jemand ist.
Ich merke mir das mit dem Wort „BESO SOCO“ – klingt wie „Beso“, also „Kuss“ auf Spanisch.
Das hilft mir, mich daran zu erinnern, weil es so klingt, als würde man von der Müdigkeit „geküsst“ werden – natürlich nur als Eselsbrücke. ?
BESO SOCO steht für:
B – Benommenheit: Man ist verlangsamt, reagiert träge.
SO – Somnolenz: Man ist schläfrig, aber noch weckbar.
SO – Sopor: Man schläft tief, ist nur durch starke Reize aufzuwecken.
CO – Koma: Man ist bewusstlos und nicht mehr weckbar.
Qualitative Bewusstseinsstörungen
Hier geht es nicht um die Wachheit, sondern darum, wie das Bewusstsein verändert ist.
Man unterscheidet drei Hauptformen:
Bewusstseinstrübung
Bewusstseinseinengung
Bewusstseinsverschiebung oder -erweiterung
Ich habe mir das mit drei Bildern eines Tunnels vorgestellt – vielleicht hilft euch das auch.
Bild 1 – Bewusstseinstrübung:
Stellt euch einen Menschen vor, der einen Tunnel im Kopf hat.
Er ist verwirrt im Denken und Handeln.
Durch diese „Trübung“ ist die Fähigkeit gestört, verschiedene Aspekte seiner selbst und der Umwelt sinnvoll miteinander zu verbinden – der sogenannte Erlebniszusammenhang geht verloren.
Bild 2 – Bewusstseinseinengung:
Jetzt ist der Tunnel um die Person herum.
Das Bewusstsein ist wie eingeengt – draußen ist alles dunkel.
Man ist nur auf wenige Themen fokussiert, emotional und kognitiv sehr eingeschränkt.
Nach solchen Phasen kommt es oft zu Amnesie, also Gedächtnislücken.
Das passiert zum Beispiel bei epileptischen Anfällen.
Bild 3 – Bewusstseinsverschiebung oder -erweiterung:
Hier stelle ich mir vor, dass der Tunnel sich öffnet – mit einem hellen, weiten Licht.
Das Bewusstsein scheint sich zu vergrößern, man nimmt alles intensiver wahr.
Es entsteht eine abnorme Helligkeitssteigerung des Bewusstseins und ein Gefühl von Weite und Intensität.
Das kann vorkommen bei manischen Zuständen oder unter Halluzinogenen.
Das war ein kurzer Überblick über die Bewusstseinsstörungen – ein wichtiges Thema, das in der Prüfung häufig abgefragt wird.
Merksatz:
? Quantitativ = Wie wach?
? Qualitativ = Wie verändert?
Gedächtnisstörungen
Heute geht es um Gedächtnisstörungen.
Bei Gedächtnisstörungen ist die Fähigkeit, Erfahrungen oder Erinnerungen wiederzugeben, vermindert.
Man unterscheidet grundsätzlich zwischen zwei Arten:
Störung der Merkfähigkeit
Störung des Altgedächtnisses
Störung der Merkfähigkeit
Hier geht es darum, dass man frische Wahrnehmungseindrücke nicht behalten kann – also Dinge vergisst, die man gerade erst erlebt hat.
Beispiel:
Eine Person erzählt gerade etwas, weiß aber kurz darauf nicht mehr, dass sie das eben erzählt hat.
Störung des Altgedächtnisses
Das bedeutet, dass alte Erinnerungen verloren gegangen sind – also Ereignisse, die schon lange im Gedächtnis gespeichert waren.
Ich habe dazu ein persönliches Beispiel:
Ich bekam einmal über Facebook eine Nachricht – jemand schrieb:
„Hey, erinnerst du dich noch an mich? Wir waren zusammen in der Schule und sind jeden Tag im Bus gefahren!“
Ich wusste ehrlich gesagt überhaupt nicht mehr, wer das war. Nur der Name kam mir bekannt vor.
Also – Gedächtnisstörung? Vielleicht ein bisschen! ?
Ich habe sie trotzdem als Freundin akzeptiert.
Erscheinungsbilder von Gedächtnisstörungen
Die wichtigsten Formen sind Amnesien – also Erinnerungslücken.
Man unterscheidet:
Retrograde Amnesie: Man vergisst, was vor dem Ereignis passiert ist.
Anterograde Amnesie: Man vergisst, was nach dem Ereignis passiert ist.
Kongrade Amnesie: Man vergisst das Ereignis selbst, also den Moment, in dem es passiert ist.
Beispiel:
Jemand hat einen Unfall – und erinnert sich entweder nicht an die Zeit davor, nicht an die Zeit danach, oder nicht an den Unfall selbst.
Konfabulationen
Das sind Erinnerungslücken, die mit Fantasiegeschichten oder falschen Einfällen gefüllt werden.
Der Betroffene glaubt dabei wirklich, dass das, was er erzählt, wahr ist.
Beispiel:
Eine Person erinnert sich nicht mehr an ihren Autounfall und sagt stattdessen:
„An dem Tag bin ich mit dem Zug gefahren.“
Typisch ist das z. B. beim Korsakow-Syndrom, das meist durch schwere Hirnschädigung oder Alkoholmissbrauch entsteht.
Déjà-vu
Das kennen fast alle:
Man erlebt etwas und hat plötzlich das Gefühl:
„Das habe ich doch schon einmal erlebt!“
Ich habe dazu als Spaß in meiner Präsentation ein Postamt gezeigt – ein Ort, wo man oft denkt: „War ich hier nicht schon mal?“ ?
Hypermnesie
Das Gegenteil einer Gedächtnisstörung: eine übersteigerte Erinnerungsfähigkeit.
Ein faszinierendes Beispiel ist Stephen Wiltshire, auch bekannt als „die lebende Kamera“.
Er ist ein außergewöhnlicher Künstler mit einem fast unglaublichen, fotografischen Gedächtnis.
Ich empfehle euch unbedingt das YouTube-Video:
? Stephen Wiltshire – Istanbul Panorama
Dort sieht man, wie er mit einem Hubschrauber über die Stadt fliegt, sich die Landschaft einmal anschaut –
und sie danach komplett detailgetreu aus dem Gedächtnis zeichnet.
Unglaublich!
Das war’s für heute mit den Gedächtnisstörungen.
Merkt euch:
? Merkfähigkeit = Neues behalten
?️ Altgedächtnis = Altes erinnern
Und ganz wichtig: Ein gutes Gedächtnis ist keine Selbstverständlichkeit – aber man kann es trainieren! ?
Einführung
Denkstörungen werden grundsätzlich in formale und inhaltliche Denkstörungen unterteilt.
Bei formalen Denkstörungen geht es darum, wie jemand denkt.
Bei inhaltlichen Denkstörungen geht es darum, was jemand denkt.
Heute beschäftigen wir uns mit den formalen Denkstörungen.
1. Denkverlangsamung
Hier ist der Gedankenablauf mühsam, schleppend und verzögert.
Man merkt, dass das Denken nicht richtig in Gang kommt – alles wirkt schwerfällig.
2. Denkhemmung
Das kommt häufig bei Depressionen vor.
Der Gedankenfluss ist gebremst oder blockiert – die Person erlebt es oft selbst als störend,
so, als wäre der Kopf „verstopft“ oder die Gedanken würden nicht mehr richtig fließen.
3. Eingeengtes Denken
Das Denken ist auf ein oder wenige Themen fixiert.
Die Betroffenen können kaum das Thema wechseln, alles dreht sich ständig um denselben Inhalt.
4. Perseveration
Hier „kleben“ die Gedanken oder Wörter.
Man bleibt bei denselben Begriffen oder Ideen hängen – auch wenn sie keinen Sinn mehr ergeben.
Manchmal zeigt sich das auch nonverbal, z. B. wenn jemand immer wieder denselben Kreis malt.
5. Umständliches Denken
Die Betroffenen verlieren den Überblick.
Sie trennen nicht zwischen Wichtigem und Unwichtigem,
verheddern sich in tausend Details – und kommen kaum zum Punkt.
6. Vorbeireden
Hier versteht die Person zwar die Frage,
antwortet aber inhaltlich an ihr vorbei – also völlig anders, als es eigentlich gemeint war.
7. Grübeln
Das kennt wahrscheinlich jeder:
Man beschäftigt sich ständig mit denselben unangenehmen Gedanken oder Situationen.
Das Grübeln dreht sich im Kreis, meist um Probleme, Sorgen oder Schuldgefühle – und kostet viel Energie.
8. Gedankendrängen
Hier drängen sich Gedanken oder Einfälle mit großem Druck auf – unwillkürlich, schwer zu kontrollieren.
Es ist, als würde der Kopf überlaufen.
Wenn das noch intensiver wird, kann das in die Ideenflucht übergehen.
9. Ideenflucht
Das ist typisch bei manischen Zuständen – und ein wichtiger Begriff für die Prüfung!
Bei der Ideenflucht sprudeln ständig neue Gedanken und Einfälle hervor,
aber kein Gedanke wird zu Ende geführt.
Man verliert den roten Faden, weil neue Assoziationen dauernd dazwischenkommen.
Das waren die formalen Denkstörungen – Teil 1.
Im nächsten Video geht’s dann weiter mit den inhaltlichen Denkstörungen –
also mit dem, was Menschen denken, nicht nur wie.
Heute geht es also um spezifische formale Denkstörungen, wie sie besonders bei Schizophrenie auftreten.
Also, legen wir los!
1. Zerfahrenes Denken
Hier werden nicht zusammengehörige Gedanken oder Inhalte miteinander vermischt.
Es fehlt die innere Struktur und der logische Zusammenhang – es entsteht eine Art Wortsalat.
? Beispiel (nach Emil Kraepelin):
„Das Mädchen sei bei solchen Gelegenheiten immer unangenehm akzeptabel Trinkgelder.“
Man erkennt irgendwie, worum es geht, aber der Satzbau und die Logik sind völlig durcheinander.
2. Neologismen
Das sind Wortneuschöpfungen, die es im normalen Sprachgebrauch nicht gibt – und die meistens nicht verständlich sind.
Beispiele:
„Langenlagenkunstkomponenten“
„Organos Kosmatsch“
Für Außenstehende völlig unverständlich – für die Betroffenen aber oft mit Bedeutung gefüllt.
3. Kontaminationen
Hier werden Wörter oder Begriffe unsinnig miteinander kombiniert.
So entstehen neue, sinnlose Wortverbindungen, die aber vom Betroffenen selbst als sinnvoll empfunden werden.
4. Begriffsverfall
Die Bedeutung der Begriffe geht verloren,
und sie werden nicht mehr klar voneinander abgegrenzt.
Das Denken verliert dadurch Struktur und Ordnung.
5. Begriffsverdichtung
Hier werden mehrere Begriffe, die eigentlich nicht zusammenpassen,
zu einem neuen, unlogischen Ausdruck zusammengefügt.
6. Begriffsverschiebung / Konkretismus
Das bedeutet, dass Sprichwörter oder Redewendungen wörtlich genommen werden.
Zum Beispiel:
Wenn jemand sagt „Da liegt der Hund begraben“,
dann sucht der Betroffene wirklich nach einem Hund – statt zu verstehen, dass es sich um eine Metapher handelt.
7. Symboldenken
Beim Symboldenken werden Begriffe oder Wahrnehmungen symbolisch gedeutet –
sie bekommen also eine übertragene, meist sehr persönliche Bedeutung.
Beispiel:
Eine Patientin hört in ihrem Bauch „einen Storch klappern“ –
und meint damit, dass sie schwanger ist.
Das waren die formalen Denkstörungen bei Schizophrenie – Teil 2.
Im nächsten Video geht es weiter mit den inhaltlichen Denkstörungen,
also dem Was des Denkens – Wahn, Zwangsgedanken, überwertige Ideen und vieles mehr.
In diesem Video geht es um die inhaltlichen Denkstörungen.
Ich werde sie heute nur allgemein vorstellen –
über die Themen Wahn und Zwang mache ich dann eigene Videos,
weil sie etwas umfangreicher sind.
Also: Viel Spaß mit diesem kurzen Überblick!
Was sind inhaltliche Denkstörungen?
Inhaltliche Denkstörungen sind Veränderungen des Denkens,
bei denen die Realität falsch beurteilt oder verzerrt erlebt wird.
Man kann sagen: Das Denken weicht von der objektiven Realität ab –
oft sehr stark.
Zu den inhaltlichen Denkstörungen gehören:
Wahn,
überwertige Ideen
und Zwangsgedanken.
Überwertige Ideen
Eine überwertige Idee ist sozusagen eine Vorstufe zum Wahn.
Das bedeutet: Die Realität wird nicht mehr ganz so gesehen, wie sie ist,
aber die Idee ist noch korrigierbar – man könnte also theoretisch wieder „aufwachen“.
Leichte Formen davon kennen wir alle:
Zum Beispiel, wenn jemand verliebt ist und die Welt durch eine rosarote Brille sieht –
der Partner wirkt perfekt, fehlerlos.
Oder im Gegenteil, in einer Depression,
wenn man alles negativ, hoffnungslos und düster wahrnimmt.
In einer schweren Form können überwertige Ideen aber auch pathologisch werden –
zum Beispiel bei Schizophrenie oder fanatischem Denken.
Ein bekanntes Beispiel ist Anders Breivik, der in Norwegen 77 Menschen tötete.
In seinem Gutachten war es schwer zu unterscheiden,
ob er wahnhaft, schizophren oder von einer überwertigen Idee getrieben war.
Auch bei Sekten oder Fanatismus spricht man oft von überwertigen Ideen.
Wahn
Der Wahn ist eines der komplexesten Phänomene seelischer Störungen.
Er zählt zu den schwierigsten Themen – nicht nur für die Diagnose,
sondern auch für die Therapie und den Umgang mit Betroffenen.
Wichtig:
Wahn ist nicht nur auf Schizophrenie beschränkt –
er kann auch bei Depressionen, organischen Erkrankungen oder Drogenkonsum auftreten.
Eine allgemein verständliche Definition lautet:
Wahn ist eine krankhaft entstandene Fehlbeurteilung der Realität –
also eine nicht korrigierbare, falsche Überzeugung.
Der Betroffene hält seine Überzeugung für absolut wahr –
sie ist unerschütterlich und nicht durch Argumente veränderbar.
Wahn ist also nicht nur eine Denkstörung,
sondern Ausdruck einer veränderten Beziehung zur Umwelt.
Man spricht auch von einem „Wahngefängnis“,
weil Betroffene nicht mehr in der Lage sind,
ihr subjektives Bezugssystem zu verlassen.
Die verschiedenen Wahnformen – z. B. Verfolgungswahn, Größenwahn oder Beziehungswahn –
werde ich dir in einem eigenen Video ausführlich erklären.
Zwangsgedanken und Zwangshandlungen
Auch über Zwang wird es ein separates Video geben,
aber hier schon einmal kurz zur Orientierung:
Die Grenze zwischen normal und pathologisch ist beim Zwang nicht eindeutig.
Entscheidend ist, wie stark der Zwang das Leben beeinträchtigt.
Typisch ist:
Wiederkehrende, aufdringliche Gedanken oder Handlungsimpulse
Das Gefühl, etwas tun zu müssen, obwohl man weiß, dass es unsinnig ist
Eine starke innere Anspannung oder Angst, wenn man sich dagegen wehrt
Die Betroffenen wissen meist, dass ihre Gedanken unlogisch oder übertrieben sind,
fühlen sich ihnen aber machtlos ausgeliefert.
Das war ein kurzer Überblick über die inhaltlichen Denkstörungen.
In den nächsten Videos geht es dann tiefer in die Themen Wahn und Zwang –
mit praktischen Beispielen, Bildern und Merkhilfen.
Mit einfachen Folien und ein paar leichten, zum Teil lustigen und persönlich gehaltenen Videos kannst du Teile des komplizierten Stoffes zur Vorbereitung der Heilpraktiker für Psychotherapie Prüfung lernen oder nochmal Revue passieren lassen.
Soll aber bitte nicht als Hauptkurs gesehen werden!
Wenn du also schon irgendwo lernst und etwas auffrischen willst, oder: einfach nur in das Thema reinschnuppern willst, ist dieser Kurs eine sehr gute uns nicht so trockene Ergänzung zur eigentlichen theoretischen Ausbildung..
Inhalt:
Psychologie, Psychiatrie, Psychotherapie, Heilpraktiker.... was ist das?
Bewusstseinsstörungen
Gedächtnisstörungen
Wahrnehmungsveränderungen
Denkstörungen
Formen des Wahns
Wahnthemen
Störungen des Ich-Erlebens
Triadische System
Persönlichkeitsstörungen
Dissoziative Störungen
Zwangsstörungen
Dysthmya
Angst- und Panikstörungen
Reaktionen auf schwere Belastungen - Anpassungsstörungen
Manie
Alkoholentzugssyndrom
Somatoforme Störungen
Essstörungen
Sexuelle Störungen
Schlafstörungen
Prüfung: was muss man wissen?
Entspannt zur Prüfung: Bonus - Hypnose / Meditation gegen Lampenfieber.