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Die Faszination "Pornographie"
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Die Faszination "Pornographie"

Was ist die Faszination und welche Risiken verbergen sich in einem langfristigen Konsum.
Created byGregor Röpnack
Last updated 12/2022
German
German [Auto],

What you'll learn

  • Warum schauen Menschen sich Pornographie an?
  • Das Gehirn und Pornographie
  • Risikofaktoren, die eine Sucht begünstigen
  • Langfristige Folgen für die eigene Sexualität und Partnerschaften

Course content

3 sections9 lectures41m total length
  • Begrüßung1:23
  • Norm vs. Abnorm3:33

    Um ein suchtfreies Leben zu leben, ist es erst einmal wichtig zu verstehen, was eine Sucht ist und von welchen Kriterien sie abhängt. Da der Prozess des Süchtig-Werdens äußerst schleichend vonstatten geht, lässt sich im Nachhinein nur bedingt zurückführen, wann genau Sie Ihre Abhängigkeit entwickelt haben. Wie in der Einleitung schon beschrieben ist Sex ein beliebtes Thema bei uns Deutschen, die Medien, Blogs etc. sind voll von Geschichten rund um das Thema. Probleme in der Sexualität werden jedoch häufiger tabuisiert. Keiner mag zugeben, Probleme zu haben, erst recht nicht, weil das Thema so intim ist. Deshalb ist es besonders schwierig, eine Orientierung zu finden für süchtiges oder normabweichendes Sexualverhalten. Wen soll man schließlich fragen? Es gibt einen Kriterienkatalog für psychische Erkrankungen, in dem unter anderem auch Abhängigkeitskriterien und deren Ausprägung beschrieben und codiert werden (dazu später noch mehr). Kriterien für eine Abhängigkeitsdiagnose[1] sind:

    • Sie vernachlässigen wichtige andere Bereiche in Ihrem Leben, um Zeit für Ihre Sucht zu haben.

    • Aus Ihrem Verhalten haben sich bereits negative Konsequenzen für Sie ergeben, Sie konnten jedoch nicht aufhören, dem Suchtverhalten nachzugehen.

    • Ihre Gedanken kreisen ständig um Ihr Suchtmittel (Craving).

    • Sie sind Ihrer Sucht schon einmal nachgegangen an Orten, die gefährlich waren oder wo die Gefahr groß war, dass Sie entdeckt werden könnten – nur, weil Sie nicht warten konnten.

    • Sie haben schon einmal versucht, den Konsum einzustellen oder herunterzufahren, was Ihnen jedoch nicht gelang.

    Wenn drei dieser Kriterien in den letzten zwölf Monaten für mindestens sechs Monate aufgetreten sind, spricht man von einer Abhängigkeitserkrankung. Der Zwang- und Kontrollverlust, der von nicht-süchtigen Menschen häufig nicht verstanden wird, wird von unserem Gehirn verursacht. Denn das menschliche Verhalten wird von neurobiologischen Prozessen beeinflusst und gelenkt. Besser und einfacher gesagt: Neurotransmitter, also Botenstoffe, die Erregungen von Nervenzellen auf andere Zellen übertragen, beeinflussen unsere Emotionen und wie wir Dinge und Erlebnisse bewerten oder in der Vergangenheit bewertet haben.

    Sie sorgen außerdem dafür, dass wir überlebenswichtige Funktionen wie Essen, Schlafen, Sex, Anerkennung durch andere Menschen und unsere weiteren Bedürfnisse nach zum Beispiel Neugierde, Geborgenheit und Liebe nicht vernachlässigen.

    Unser Körper ist darauf programmiert, alles zu verstärken und zu wiederholen was sich gut anfühlt und alles zu vermeiden, was gefährlich sein könnte oder sich schlecht anfühlt.

    Das Ziel unseres Körpers ist dabei, in unserem Organismus so wenig Stress wie möglich zu verursachen oder vorhandenen Stress schnellstmöglich abzubauen. Denn: Ein gestresster Körper ist anfälliger für Krankheiten und ein geschwächter Organismus konnte in Urzeiten den Tod bedeuten.

    Fragen zu Selbsterfahrung:

    Wann sind Sie das erste Mal in Kontakt mit Pornographie gekommen?

    Wann haben Sie gemerkt, dass es Ihnen schwerfällt nicht zu konsumieren, obwohl Sie es sich vorgenommen haben?

    [1] ICD 10

  • Wie funktioniert die Suchtentstehung?6:13

    Essen, Schlafen, Sex und andere Bedürfnisse sind genetisch in uns programmiert. Wir werden von unserem Gehirn regelmäßig animiert, diesen Bedürfnissen nachzugehen, denn sie dienen letztendlich dem Fortbestehen und somit auch der Erhaltung unserer Spezies. Die „Bezahlung“ dafür besteht aus Belohnungen, die wir spüren, wenn wir uns „überlebenskonform“ verhalten. Das wohlige Gefühl, wenn wir satt sind, wird zum Beispiel von Leptin und Serotonin verursacht. Bei einem Orgasmus wird eine große Menge Dopamin im Gehirn freigesetzt. Dopamin hängt mit dem guten Gefühl für einen Erfolg, den wir erreicht haben, zusammen.

    So funktionieren die meisten Drogen, sie regen es zur Ausschüttung von glücklichmachenden- oder schmerzstillenden Neurotransmittern an.

    Ein Patient berichtet:

    Es gab mehrere Versuche den Konsum zu stoppen. Ich habe es auch schon einmal 12 Wochen geschafft, keinen Porno anzuschauen. Doch dann begann es wieder. Ich habe das unwiderstehliche Bedürfnis gehabt, mir einen Porno anzuschauen. Mein Gehirn hat den Dopamin-Kick von mir erzwungen. Danach habe ich es geschafft für weitere drei Wochen nur sporadisch Pornos zu schauen. Jetzt tue ich es wieder täglich“

    Zusammengefasst hat der Prozess der neurochemischen Belohnung eine fundamentale Bedeutung bei der Entwicklung einer Abhängigkeit. Es gibt viele Menschen, denen es schwerfällt mit den alltäglichen Problemen umzugehen und die deshalb Entspannung suchen. In zahlreichen Familien gehören das Bier oder das Glas Wein zu einem ganz normalen Abendritual. Die beruhigende Wirkung von Cannabis hat den Konsum in den letzten Jahren auch beliebter werden lassen. Noch schnell eine Runde das Handyspiel spielen, während man in der Bahn sitzt, den ganzen Tag über Süßigkeiten essen oder sich eben Pornos anschauen – das alles nutzt den Prozess der natürlichen Belohnung als Strategie, um Stress abzubauen.

    Bei Menschen, die eine Abhängigkeitserkrankung entwickelt haben, hat das Gehirn durch die ständige Wiederholung das Verhalten gespeichert. Nach einer gewissen Zeit gewöhnt sich das Gehirn an die erhöhte Ausschüttung der Neurotransmitter, es kommt zur Toleranzentwicklung. So werden mit der Zeit aus dem Glas eine Flasche Wein am Abend oder drei Flaschen Bier oder zwei Tafeln Schokolade. Man beginnt sein Handyspiel während der Arbeitszeit zu spielen oder schaut sich über immer längere Episoden Pornos an. Abhängige haben immer öfter das Bedürfnis, sich so zu verhalten, dass sie eine erwartete Belohnung bekommen. Zusätzlich speichert das Gehirn immer mehr Auslöse-Reize und mit der Zeit verselbstständigt sich das Verhalten und die resultierenden negativen Konsequenzen beginnen.

    Wichtig! Die individuelle Motivation des Süchtigen ist „Ich will mich besser fühlen“ oder „Ich will mich weniger schlecht fühlen als vorher“. Sucht ist also die Vermeidung von Schwierigkeiten im Umgang mit dem Leben. Wichtig!

    Ein Beispiel zur Veranschaulichung, wie eine Abhängigkeit sich verselbstständigen kann: Sie fühlen sich einsam (emotionaler Schmerz) und deshalb schauen Sie sich einen Porno an (positive Wirkung, durch Suchtmedium „Porno“), um das Gefühl der Einsamkeit zu reduzieren. Die stundenlange Masturbation und die vielen Orgasmen machen Sie müde und Sie fühlen sich energetisch ausgelaugt. Das wiederum veranlasst Sie dazu, zu Hause zu bleiben anstatt Ihre sozialen Kontakte zu pflegen und Sie fühlen sich noch einsamer (Schmerz = verursacht durch das Suchtmittel), was Sie dann wiederum animiert, noch mehr Pornos anzuschauen, da dies ja Ihr erlerntes „Schmerzmittel“ ist.

    Hier entsteht der Teufelskreislauf.

    Dies tut Ihr Gehirn nicht etwa, um Ihnen zu schaden, sondern um Ihr Überleben zu sichern. Es ist bestrebt, Sie emotional im Gleichgewicht zu halten, um Ihren Energiehaushalt nicht zu strapazieren und um Stress zu vermeiden. Nur ist es so, dass jeder Mensch mit einer Abhängigkeit an den Punkt kommt, dass er andere wichtige Beziehungen und Bereiche des Lebens vernachlässigt, um zu konsumieren. Dies führt mittel- oder langfristig zur sozialen Isolation. Diese Isolation führt nicht bei allen Menschen zu einem Leidensdruck, fördert jedoch weiteren Konsum und ist ein Symptom der Abhängigkeitserkrankung!

    Wichtig! Stress konnte in Urzeiten zu Krankheit, Krankheit zur Schwächung und Schwächung zum Tode führen. Wichtig!

  • Der Suchtkreislauf6:45

    Das alles läuft in verschiedenen Phasen ab. Der Suchtkreislauf beschreibt die Phasen des Suchtverhaltens und eignet sich gut, um Ihnen die Triangulation zwischen Trigger-Reiz – Verhalten – Konsequenz zu veranschaulichen und dies greifbarer zu machen:[1]

    Phase I – Trigger (dt. Auslöser) sind Vorboten, die Sie aus Ihrer inneren Balance bringen. Trigger sind ein Ausdruck emotionaler Spannungszustände wie zum Beispiel: Trauer, Angst, Einsamkeit, Langeweile oder Glück. Sie lösen dann Ihr Verlangen aus, diesen Zuständen zu entfliehen oder sie zumindest zu stabilisieren und sich davon zu distanzieren (beispielsweise Stress auf der Arbeit, der eine Wut auslöst, was wiederum das Verlangen nach Porno schürt). Auslöser können zusätzlich auch über unsere direkten Wahrnehmungssysteme aufgenommen werden. Dies geschieht, wenn wir zum Beispiel ein Bild mit einer attraktiven Person sehen (z. B. in der Werbung, oder als Pop-up-Window, wenn wir durch das Internet surfen…), oder einen bestimmten Duft (Parfum) riechen, oder gewisse Musik hören.

    Die Trigger-Reize müssen frühzeitig identifiziert und durch gesunde Verhaltensweisen ersetzt werden, damit Betroffene nicht in die zweite Phase gleiten.

    Phase II – Fantasie entsteht nach dem Auftreten der Trigger-Reize und führt zur Anregung Ihrer sexuellen Fantasie. ie beginnen ab diesem Punkt mit Ihren erlaubniserteilenden Gedanken, über vergangene (virtuelle und/oder reale) oder zukünftige Sexerlebnisse nachzudenken. In dieser Phase beginnt auch die fantasievolle „Versexualisierung“ (eng. Pornofying) Ihrer Umgebung. Nun beginnen Sie, Ihre Mitmenschen sexualisiert wahrzunehmen und ignorieren Ihre Vorsätze oder negative Erinnerungen an dieses Verhalten. Ab diesem Punkt ist es sehr schwer, den Zirkel zu stoppen ohne eine äußere Intervention, da nun Ihr Neocortex[2] vermindert agiert.

    Wichtig! Kurzfristige Konsequenzen sind handlungsweisend für unser Gehirn. Wichtig!

    Phase III – Ritualisierung schafft Möglichkeiten, die Fantasien durch Porno, den Besuch im Rotlichtmilieu oder andere Dating-Apps niedrigschwellig und regelmäßig in die Realität zu überführen. Hier beginnt die sexuelle Erregung, die Vorfreude, die Trance und das „High“-Gefühl, das Sie Ihre Umgebung vergessen lässt (Sorgen, Stress, Alltag). Ab diesem Punkt geben Sie sich voll und ganz Ihren Fantasien hin. Diese Phase wird so lange wie möglich aufrechterhalten und das Ende hinausgezögert. Das kann Stunden oder sogar Tage dauern, je nachdem, wie weit die Abhängigkeit ausgeprägt ist und ob Sie noch andere Substanzen konsumieren. Dieses „Jagen“ (um genauer zu sein: der Neurotransmittercocktail) nach sexuellen Möglichkeiten und „Eroberungen“ ist das, wovon Sex-/Pornosüchtige abhängig sind.

    Phase IV – Acting Out (dt. Ausführen) ist die nächste Stufe. Viele Nicht-Süchtige denken, dass dies das angestrebte Ziel des Sexsüchtigen ist, da hier der Orgasmus als Finale erreicht wird. Das ist aber eine falsche Annahme. Der Orgasmus bedeutet den Abschluss des Hochgefühls und der Realitätsflucht und konfrontiert den Süchtigen wieder mit der Realität.

    Phase V – Erstarren ist der Versuch von Betroffenen, sich emotional zu distanzieren von dem, was sie getan haben. Es werden Sätze der Rechtfertigung zu sich selbst gesprochen: „Niemand hat mitbekommen, dass ich gerade sechs Stunden vor dem Computer gesessen habe, um zu masturbieren“, „Keiner kam zu Schaden, so schlimm war das gar nicht“; „Wenn mein Partner netter zu mir wäre und mehr auf mich eingehen würde, bräuchte ich das gar nicht“ etc. Diese Rechtfertigungen dienen den Betroffenen, um den Selbstwert vor der letzten Phase zu schützen.

    Phase VI – Enttäuschung und Scham empfinden die Betroffenen nach dem High''. Sie fühlen sich leer und machtlos ihrer Sucht gegenüber. Dazu kommen dann zusätzlich die emotionalen Trigger-Reize, denen sie ja entkommen wollten. Dieses Gefühl der Machtlosigkeit kann dann wieder ein Trigger sein, der den Zirkel von Neuem beginnen lässt.

    Wenn wir ausgeschlafen sind, haben wir das Bedürfnis „Schlafen“ gestillt; wenn wir sattgegessen sind, haben wir das Bedürfnis „Hunger“ gestillt. Warum aber hat unser Gehirn keinen eingebauten „Autostopp“, der unser Bedürfnis nach „Sexualität“ stillt?

    Das hat es. Pornographie ist jedoch ein Schlupfloch, wie der nächste Abschnitt aufzeigt.

    [1] Paula Hall, Understanding and treating sex addiction: A comprehensive guide for people who struggle with sex addiction and those who want to help them, 2012, S. 51 - 60

    [2] Das Gehirnareal, welches primär für unsere Vernunft verantwortlich ist.

Requirements

  • Keine Vorkenntnisse nötig.

Description

Dies ist der erste Teil meiner Behandlung zur Reduktion Cybersexuellen Verhaltens. Übermäßiger Pornokonsum zerstört Beziehungen und fördert langfristig Störungen der eigenen Sexualität. In Deutschland gibt es schätzungsweise 5.000.000 Menschen, die einen problematischen Pornokonsum aufweisen. Das Tabuthema, von dem mehr Menschen betroffen sind, als Sie denken. Die Pornosucht ist tückisch, da Sie von den Betroffenen oftmals nicht als störend empfunden wird und somit kurzfristig keinen Leidensdruck erzeugt. Dies führt nach Jahren des Konsums häufig in eine Negativspirale, welche normale und echte Sexualität aus dem Leben der Betroffenen verdrängt.

Sie werden lernen, wie sich die Faszination "Porno" auf den Menschen (…und auf Sie) auswirkt. Außerdem werden wir ich Ihnen erläutern, was der Konsum mit dem unserem Gehirn und unserer Belohnungserwartung macht, wie sich abhängiges Verhalten entwickelt und welche Schwierigkeiten sich langfristig für das Beziehungsverhalten einstellen können. Bitte lesen Sie, nachdem Sie sich die einzelnen Videos angesehen haben, auch die Beschreibung der jeweiligen Kurse durch. Halten Sie außerdem bitte einen Papierblock und einen Stift bereit, um die Selbsterfahrungsaufgaben zu beantworten. Dies ermöglicht Ihnen sich kritisch und reflektiert mit Ihrem eigenen Pornokonsum auseinanderzusetzen.

Da dieser Kurs kostenlos ist und ich kein technischer Profi bin, würde ich etwas Nachsicht bei Bewertungen begrüßen. Ansonsten wünsche ich allen Teilnehmenden eine aufschluss- und lehrreiche Zeit. Für Fragen und Anmerkungen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Herzliche Grüße

Gregor Röpnack

Who this course is for:

  • An Interessierte und an Menschen, die unter ihrer Pornosucht leiden, oder diese reduzieren möchten.